Autor Dick Frances hat einen ungewöhnlichen Weg zum Schreiben gefunden: Viele Jahre lang war er Englands erfolgreichster Jockey, konnte Pokale einheimsen und Bestmarken setzen. Auf seinem Höhepunkt mit 36 Jahren stürzte der Vollblutsportler unter mysteriösen Umständen vom Pferd und musste seine Karriere an den Nagel hängen. Seitdem schreibt der 1920 geborene Brite über die einzige Sache, die er versteht: Pferderennen. Jedes Jahr ersinnt er eine neue Geschichte und dies seit nunmehr 35 Jahren oder anders gesprochen: seit rund drei Dutzend Büchern. Nicht nur, dass der Pferdesport eine dieser britischen Eigenarten ist, denen Tausende von Menschen am Wochenende frönen, wenn zudem ein begnadeter Schreiber sich dieser Marotte mit typisch englischem Ton annimmt, kommt stets etwas Besonderes dabei heraus.
Dick Frances verfasst Thriller mit dramatisch-komischen Wendungen und Charakteren, die vom Loser bis in die High Society führen. Immer geht es um Verbrechen an der Rennbahn. Der 82-Jährige schreckt nicht vor Toten zurück, doch sind die Stories unblutig. "Mir kommt es nicht auf Leichen an", sagt der Autor. Aber auf die Motivation der einzelnen Personen, ihre Beweggründe von banal bis abenteuerlich, die zu einer ungesetzlichen Handlung führen, darauf richtet Frances sein Augenmerk.
Das Buch "Winkelzüge" vereint dreizehn Geschichten, die der Ex-Jockey teils für Zeitungen verfasste, teils einfach so schrieb. Die kleinen Einblicke in sein Universum verfasste er zwischen 1970 und 1998, überarbeitete sie ein wenig, um sie an den Lauf der Zeit, etwa bei Beutesummen, anzupassen, und versah sie mit kleinen Einleitungen, die vergnügliche Anmerkungen enthalten. So etwa zur Geschichte "Bombenalarm in Kingdom Hill", in der mit Hilfe einer fingierten Bombendrohung eine Totokasse geplündert werden konnte. 1997 wurde die fiktive Handlung real, als Räuber haargenau den gleichen Trick anwandten. Deshalb auch die Warnung von Dick Frances an die Leser "Tun Sie's nicht".
Die wunderbar altmodischen Geschichten sind so recht nach dem Geschmack britischer Lesefans. Mit dem Benimm eines Gentleman entführt der Pferdefreund Dick Frances in die Welt des Zwielichtigen, in den Kosmos der Möchtegern-Reichen, Habe- und Taugenichtse, lädt ein zu den Adligen und deren Verehrern. Mit Bravour und trockenem Humor vermittelt er stets die Ansichten der (Anti-)Helden seiner Geschichten, die mal gewinnen, mal verlieren, aber stets an der Rennstrecke (des Lebens) zu finden sind.