Der Autor begleitet das Leben Winifred Wagners von der Kindheit, die sie als Vollwaise erlebt hat, über ihre Ehe mit Siegfried Wagner, ihre Zeit als Leiterin der Bayreuther Festspiele und Hitlerfreundin, über die Entnazifizierung und ihren Rücktritt von der Festspielleitung bis zu ihrem Tode.
Vier Ärgernisse machen dieses Buch aus: 1. ein Stil, der zwischen Betulichkeit ("Winifred wertet das Leuchten der Sonne, das ihr Söhnchen trifft, als huldreiches Zeichen für dessen Wohlergehen"), unfreiwilliger Komik ("Es war dies die letzte Zusammenkunft, die ich mit Hitler vor seinem Tode hatte") und Schwulst ("Winifred verstand es, geistige Ansprüche und lukullische Genüsse im gebotenen Einklang zu dosieren") pendelt, 2. die unwissenschaftliche Art, wichtige Dokumente oder Äußerungen zu zitieren, ohne die Quelle anzugeben oder im Zusammenhang mit dem Spruchkammerverfahren die Anklagepunkte in knappen sieben Zeilen abzutun, dagegen der Verteidigungsschrift nahezu fünf Seiten einzuräumen, 3. das Nichteingehen oder gar Unterschlagen von Literatur, in der Winifred Wagner eine nicht unbedeutende, durchaus kritisch zu beurteilende Rolle spielt, schließlich 4. jeden, aber auch jeden Gedanken, jede Handlung Winifreds vorbehaltlos zu notieren.
Der letzte Punkt ist es vor allem, der dieses Buch zu einem mehr als fragwürdigen Produkt macht. Nicht die Aufzählung ihrer Verdienste oder die von Anbetung geprägte Darstellung der zweifellos imponierenden Person Winifred verstört, sondern die einseitige, affirmative Blickweise, die keine kritischen Fragen hinsichlich ihres Handelns und Denkens aufkommen läßt.. Mag W. in Hitler nur den "Freund" gesehen haben, so muß der heutige Betrachter doch mit Beklemmung fragen, wer dieser Freund war. Diese Beklemmung läßt der Autor erst gar nicht aufkommen. Daher kann er auf Winifred Wagners Statement, es sei wohl ihre "englische Fähigkeit, in gewissen Dingen völlig neutral sein zu können" (S. 108), gar nicht anders reagieren, als in ihm ein "offenes Selbstzeugnis, das ihrer immer gezeigten Souveränität entspricht", zu sehen... So bescheinigt er ihr, sie sei "für jede geistige Auseinandersetzung offen" (S. 216) und zitiert, ohne den Widerspruch zu bemerken, ihre törichten Auslassungen zu den Inszenierungen von Götz Friedrich und Patrice Chéreau. Und wie stand es um ihre Souveränität, wenn sie, die sich doch mit der Kunst ihrer Zeit auseinander zusetzen hatte, anläßlich der Münchner Ausstellung "Entartete Kunst" (1937) nicht die Vernichtung von Kunst anprangerte, sondern zu dem einzigen Schluß kam, daß "eine entartete Leistung überhaupt nicht mehr als Kunst einzustufen" sei? (S.127) Wenn schon Winifred Wagner nicht Einspruch gegen eine staatlich inszenierte Kulturschande erhebt, so müßte doch zumindest der Chronist ob solcher an der Sache vorbeigehenden Wortklauberei so etwas wie - gelinde gesagt - Verwunderung spüren lassen. Im übrigen gilt, was die Auseinandersetzung mit Winifred Wagner betrifft, das, was Nike Wagner im Kapitel "Winifred feiern?" in ihrem 1998 erschienen Buch "Wagner Theater" notiert hat.