Das fiel mir ein, als ich gesehen habe, dass es noch keinen Kommentar zu diesem Album gibt. Und ehrlich gesagt, überrascht mich das. Schließlich wurde es in der Zeit aufgenommen, die als die stärkste Periode der Wings gilt (siehe Band On The Run und dem Nachfolger Venus and Mars). Auch hier wurde die ganze Band miteinbezogen, sodass hier nicht nur McCartney als Songwriter zu bewundern ist, sondern auch die anderen Wings ihren "Senf" dazu geben, was meinem Gefühl nach meist sehr wohltuend ist. Es bringt einerseits eine Abwechslung hinein, die man auf einigen Solo-Platten Pauls vermißt und drängt andererseits den süßen Beigeschmack etwas zurück, dem Sir Paul oft so gerne frönt.
"Let 'Em In" ist der wohl bekannteste Song der Platte, klingt ungewöhnlich weil die Instrumentierung vom gewöhnlichen Pop-Sound abweicht, ist es doch ein vom Bläsereinsatz stark mitgeprägtes Lied (leider nicht so eingängig wie Penny Laine). Doch man kann erkennen, da steht McCartney vor deiner Haustür.
Danach "The Note You Never Wrote" ein depressiver, etwas bitter Song, nichts für gebrochene Herzen und doch um Längen besser als dass belanglose "Silly Love Songs", welches dem Titel (leider) wirklich gerecht wird. "She's My Baby" mit manchmal überkippenden McCartney Vocals, ein kleiner netter Zwischensong, der aber gut plaziert ist und etwas auflockert für "Beware My Love" (für mich persönlich einer der besten Wings-Songs überhaupt, rockig mit starken Gitarren) und dem düsteren Wino Junko. Dann der schon erwähnte Riesen-Esslöffel Zucker und ein Blödel-Song "The Cook of The House" mit Linda am Mikro. Wenn man dieses Lied ernst nimmt, muss man sich auf den Kopf greifen und fragen, was dass den nun sollte... Also am besten an einen Witz glauben und zugute halten, dass es zur Buntheit des Albums beiträgt und auf keinen Fall Eintönigkeit auftritt.
Der Rest? "Must Do Something about it" - nette kleine Melodie ohne Besonderheit, "Warm and Beautiful" - langsam und ein bisschen schmalzig, man merkt, zum Schluß fällt das Album doch etwas ab.
2 der Bonustracks sind Pauls Vater gewidmet und haben rein gar nichts mit Pop-Musik zu tun (Walkin' in the Park + Bridge on the River). Sie passen daher auch nicht recht ins Bild der Platte und ich gestehe, sie immer zu überspringen. Dann noch Sally G, das einen munteren, lockeren und fast countrymässigen Schlußpunkt setzt.
Warum trotz aller Kritik 4 Sterne? Sicher, einige Leerläufe besonders nach den ersten 5 Tracks sind vorhanden, aber trotzdem zieht mich dieses Album irgendwie magisch an und läuft von allen McCartney-Alben neben "Tug Of War" am öftesten auf meinen Plattenteller... Daher werden Sie mir diesen persönlichen vierten Stern verzeihen und auch die Empfehlung: Wer einmal nicht nur Sir Paul sondern auch seine Mitstreiter hören will hat hier die beste Chance und wird großteils nicht enttäuscht. Auf jeden Fall ist Abwechslung Trumpf --> Wings at the Speed of Sound!