Ich glaube nicht, dass es einen zweiten Film gibt, der mich so beeindruckt hat wie dieser. Zumindest seinerzeit, 1987, als ich den 'Himmel über Berlin' zum ersten Mal auf der Leinwand sah - und seitdem immer wieder - offenbarte er mir die Möglichkeiten des Kinos in einer Dimension, wie ich sie zuvor kaum geahnt habe.
Die Geschichte ist kurz erzählt, doch damit der Film noch lange nicht beschrieben: im geteilten Berlin streifen die Engel Damiel (Bruno Ganz) und Cassiel (Otto Sander) durch die Stadt als beobachtende, doch 'körperlose' Wesen, deren Existenz sich allein Kindern offenbart. Doch das Beobachten weckt auch Neugierde: nach der Physis, der sinnlichen Erfahrung, der Liebe, die Menschen bisweilen füreinander empfinden, bis sich Damiel letztlich dazu entschließt, seine unsterbliche Existenz gegen eine endliche einzutauschen, um der Frau zu begegnen, die wie keine Andere den Wunsch nach 'Begegnung' in ihm zu wecken vermochte.
Zuvor jedoch nutzt Wenders die körperlose Existenz seiner Protagonisten ausgiebig, um die Kamera des Altmeisters Henri Alekan ganz zu entfesseln und den Zuschauer in einer beinahe 30 Minuten langen Anfangssequenz mit atemberaubenden Bewegungen durch die Stadt gleiten zu lassen - d.h.: durch die Stadt und ihre Bewohner, die man mit den Engeln auf der Straße, im Auto, in der U-Bahn für wenige Minuten oder Sekunden begleitet, um in ihre Gedanken, ihre Schicksale einzutauchen. So entfalten sich unzählige kleine Geschichten auf den Streifzügen, bevor sich die eine, die Geschichte der Menschwerdung, immer mehr verdichtet und zum Hauptanliegen der Erzählung wird. So unglaublich schön wie diese von Bruno Ganz gespielt wird, wenn er z.B. zum ersten mal Farben sieht, Kaffee schmeckt, die Kälte spürt, die Welt wie ein Kind neu für sich entdecken darf, so tritt sie dennoch in den Hintergrund vor all den Episoden, die ein ganzes Kaleidoskop an möglichen Geschichten entfalten, die alle genauso gut wie die primäre Geschichte hätten erzählt werden können.
Nicht ganz schuldlos an diesem faszinierend schillerndem Mosaik sind sicherlich die Texte Peter Handkes, der zwar kein Drehbuch schrieb, dafür aber poetische Fragmente, die zumeist aus dem Off als Gedanken, Assoziationen oder lyrische Kommentare eingesprochen werden.
Wie wenig aber man dem Film gerecht wird, wenn man ihn auf seine bloße 'Story' herunterbricht, diesen traurigen Nachweis hat Brad Silberling 1998 mit seinem Remake 'City of Angels' erbracht, einem Film, der an Belanglosigkeit wohl kaum zu übertreffen ist.