Das Internet ist bekanntlich voll mit unergründlichen Geschichten. Eine davon, die mir besonders gut gefällt, ist die der Wingmakers. Wer sie sind, sagen sie nicht; stattdessen stellen sie eine geheimnisvolle und komplexe Präsentation ins Web, auf der verschiedene Bereiche zeitgenössischer Kunst integriert werden: Musik, Lyrik, Malerei, Philosophie und Erzählung. Über Letzteres ist hier am Leichtesten zu sprechen, obwohl es mir ja hier eigentlich um die Würdigung ihrer Musik gehen soll. Jedenfalls behaupten die Betreiber der Website, dass die Kunst der Wingmakers außerirdischen Ursprungs sei und auf Funde zurückgehe, die in verschiedenen Höhlen auf der Erde gemacht worden sei in Form von Gemälden, schriftlichen Aufzeichnungen und speziell codierten Audio-Aufzeichnungen, die dann lediglich von ihren Findern auf CD gebracht werden mussten. Die Geschichte ist sehr komplex und spielt auf verschiedenen erzählerischen Ebenen, ein genialer Wissenschaftler, Dr. Neruda, erzählt einer atemlos zuhörenden Journalistin die Geschichte der Funde, der Geheimdienst ist jederzeit mit von der Partie, und es wird eigentlich auch sonst nie langweilig. Man kann diese Geschichten und Interviews glauben oder auch nicht, aber sie sind jedenfalls gut geschrieben und die dargebotenen Fundstücke der Wingmakers, ihre Gemälde, ihre Gedichte, ihre Musik, entsprechen durchaus heutiger Ästhetik.
Die Musik der Wingmakers, um endlich zum Thema zu kommen, besteht aus einer über die Jahre auf neun Veröffentlichungen angewachsenen Reihe von CDs, deren Stil man wohl, kämen sie von einem irdischen Produzenten, mit Begriffen wie Ethno-Lounge, Electronic Vibes oder Ambient Shamanism beschreiben könnte. Doch da sie von einer fernen Sternen-Kultur stammen, dienen sie natürlich nicht nur solch profanen Zwecken wie Unterhaltung, sondern sie inkorporieren, um die Wingmakers mit ihren eigenen Worten wiederzugeben, ... die Energetik höherer Dimensionen durch den Gebrauch exotischer Rhythmen, verwobener Melodien, meditativer Passagen, übereinander geschichteten Harmonien, gesprochener Poesie und uralter Mantras in den ursprünglichen Sprachen. Diese Klangwelt inspiriert und tritt in Resonanz mit unserer tiefsten Sehnsucht, des Göttlichen in uns gewahr zu werden.
Ja genau, so hätte ich das ansonsten auch ausgedrückt. Sehr passend. Ach ja: zu etwas weltlicheren Anlässen, etwa auf der Autobahn auf langen Nachtfahrten, lassen sich die CDs auch sehr gut anhören; die Außerirdischen mögen es mir verzeihen!