...unter dem selben Himmel. Damit beendet Rowan Woods sein Drama -Winged Creatures-. Ein treffender Schluss-Satz. Woods zeigt uns, wie verschiedene Menschen, die Zeugen eines Amoklaufs werden, versuchen das Erlebte zu verarbeiten und dabei chancenlos gegen den Schock ihres eigenen Egos ankämpfen.
Es beginnt in einem Imbis. Dr. Bruce Laraby(Guy Pearce) öffnet dem späteren Attentäter die Tür. Die Bedienung Carla(Kate Beckinsale) telefoniert mit einem Freund. Anne(Dakota Fanning) sitzt mit ihrem Vater und ihrem Freund Jimmy(Josh Hutcherson) beim Essen. An der Theke hockt Charlie(Forest Whitaker). Dann fallen plötzlich Schüsse und nichts bleibt so, wie es war. Es gibt Tote und Verletzte. Auch der Attentäter stirbt. Die Tat reißt die Opfer direkt aus dem Leben.
Anne, deren Vater stirbt, flüchtet sich in einen fanatischen Glauben, heroisiert den Vater und wirkt plötzlich tief religiös. Carla kommt mit ihrer Rolle als alleinerziehende Mutter nicht mehr klar, sucht dringend eine Beziehung und landet doch nur im Nichts. Jimmy sprichte kein Wort mehr, ist völlig verschlossen, kapselt sich ein. Dr. Laraby versucht, sofort wieder in den Alltag überzuwechseln, aber er merkt, vor allem in der Beziehung zu seiner Frau, dass er völlig neben der Spur ist. Charlie verlässt wie apathisch das Krankenhaus, landet kurze Zeit später im Spielcasino und jagt einer imaginären Glückssträhne nach. Aber egal, was die handelnden Personen auch tun, das Attentat steckt noch immer fest in ihrem Kopf...
Woods hat seine Story ziemlich clever angelegt. Er wirft uns unvorbereitet in das Attentat hinein und lässt uns erst im Laufe des Films, durch verschiedene Rückblenden, erkennen was wirklich passiert ist. In diesen Rückblenden setzt Woods alles was gerade passiert in Beziehung zum Verhalten der Beteiligten beim Attentat. Das ist so interessant wie spannend. Wer allerdings eine Art Krimi- oder Thrillerstoff erwartet, der kann nur enttäuscht werden. -Winged Creatures- ist ein ruhiger, handlungsarmer Film. Gerade das, so glaube ich jedenfalls, will Woods uns zeigen: Es geht hier um ganz normale Menschen, die urplötzlich mit etwas Unfassbarem konfrontiert werden und völlig traumatisiert zurückbleiben. Was die Folgen für die Opfer angeht, lässt uns Woods ganz starke Bilder und tiefe Emotionen zukommen. Das ist nicht immer leichte Kost für den Zuschauer.
Die Besetzung der Charaktere ist überaus gelungen. Mit Guy Pearce, Kate Beckinsale, Forest Whitaker und Dakota Fanning stehen überzeugende Darsteller vor der Kamera. Für mich herauszuheben ist Forest Whitakers Darstellung des Charlie und Dakota Fanning, die in ihrem Spiel der kleinen Anne überragend ist.
Mein Fazit: -Winged Creatures- ist kein Film, den man in den Player befördert, um Abends auf dem Sofa abzuschalten und sich zu entspannen. Im Gegenteil, wer sich für diesen Stoff interessiert, der muss zusehen, aufpassen und sich Gedanken machen. Dabei ist die Geschichte nicht unbedingt neu, aber sauber und clever inszeniert. Dazu mit wirklich guten Schauspielern besetzt. Die kleine Anne fasst in einem Satz die komplette Filmhandlung zusammen: "Alles hat sich verändert!"