Buch der 1000 Bücher
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Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Winesburg, Ohio
OT Winesburg, Ohio. A Group of Tales of Ohio Small Town Life OA 1923 DE 1958Form Kurzgeschichtenzyklus Epoche Moderne
Das Hauptwerk von Sherwood Anderson, im programmatischen Untertitel als »Roman einer Kleinstadt« bezeichnet, vereint naturalistische Strömungen und Avantgarde-Tendenzen. Sein Interesse am modernen Individuum und die einfache, aber tiefgründige Sprache beeinflussten die amerikanische Literatur nachhaltig.
Inhalt: Die Sammlung von Porträts der Bewohner des fiktiven Städtchens Winesburg beginnt mit der einleitenden Erzählung von einem alten Dichter. Unter Todesahnungen entsinnt er sich der vielen Menschen in seinem Leben. Jede Figur hatte einen Makel, der sie auf die Suche nach dem Sinn ihrer Existenz gehen ließ. In dem Buch des Dichters finden die Figuren einen Sinn, der ihnen trotz Unzulänglichkeit Schönheit verleiht. Die Gedanken lassen den alten Mann wieder aufleben, er fasst seine Reflexionen im »Book of the Grotesque« zusammen.
Einsam, unter Zwängen angepasst und vom Schicksal besiegt grotesk sind auch die Bewohner von Winesburg, zu denen der Prolog überleitet. Sie vertrauen sich mehr oder minder dem jungen Reporter George Willard an, der ihre Probleme schon aus eigener Unvollkommenheit nicht erkennen oder lösen kann. Durch die Beobachtungen und den Austausch mit den Bewohnern durchläuft Willard aber als Einziger einen inneren Enwicklungsprozess und wird sich anders als die Bewohner von Winesburg lösen, um seinen Weg zu gehen.
Winesburg, Ohio beschreibt in skizzenartigen Kapiteln Narben, die das Leben in der Seele der Bewohner hinterlassen hat. Ungestillte und unterbewusste Sehnsüchte prägen die Menschen, sie suchen nach einem Leben, bevor das Unglück über sie hereinbrach oder nach einer Erklärung ihres als unglücklich empfundenen Daseins. Andersons Figuren sind einsam, weil sie ihr Leben nicht begreifen und ihr Leid anderen nicht mitteilen können. Die fehlende Kommunikation der Personen steht für die Entfremdung des modernen Menschen.
Aufbau: Die Kurzgeschichten sind nur durch die Einheit des Ortes und die Person George Willards verknüpft. Die Form des Buches als Sammlung getrennter Skizzen verdeutlicht die existenzielle Einsamkeit der Figuren und die Unfähigkeit zur Kommunikation miteinander. Beeinflusst von Gertrude Steins Three Lives verzichtet Anderson auf eine durchgehende Handlung, weil sie nicht der Beschreibung des Lebens nahe käme, das seiner Meinung nach nur eine Abfolge von Augenblicken sei. Winesburg, Ohio beschreibt kurze Momente, in denen sich für den Leser das Schicksal der Figuren blitzartig erhellt. Die einfache Sprache kommt dem Stil einer mündlichen Erzählung nahe. Anderson ist dem Werk RMark Twains verpflichtet, dessen Realismus er übernimmt, um die seelische Verwundung der Bürger zu beschreiben.
Wirkung: Der nüchterne Stil, der mit wenigen Worten komplexe Seelenzustände beschreibt, beeinflusste u. a. Ernest RHemingway, der sich in seiner Erzählung In unserer Zeit (1924) an Winesburg, Ohio anlehnt. Ebenso finden sich Elemente in den Werken William RFaulkners, Henry RMillers und John RSteinbecks wieder. Der Sprachstil wurde als Inbegriff nationalen Selbstausdrucks der USA gefeiert, in dem sich Moderne und »oral history« (mündliche Überlieferung) verbinden. A. Fe.
Kurzbeschreibung
WINESBURG, OHIO, erstmals erschienen 1919, ist ein romanartiger Reigen aus Erzählungen. Im Mittelpunkt stehen die Bewohner einer fiktiven Kleinstadt im Mittleren Westen, beobachtet von George Willard, einem jungen Mann, der dort aufwächst und als Reporter des WINESBURG EAGLE noch den kleinsten Geschehnissen in der Stadt voller Staunen begegnet. Willard ist ein Suchender, einer, den es in die Ferne zieht und der seine schriftstellerische Neigung entdeckt.
Die Bewohner sind verschrobene, oft bereits gescheiterte Gestalten, die darum ringen, ihrer Einsamkeit zu entkommen und ihre Sprachlosigkeit zu überwinden. Da ist etwa der frühere Lehrer Wing Biddlebaum, der krampfhaft darum bemüht ist, seine Hände zu verbergen. Oder Reverend Hartman, der daran verzweifelt, dass er sich in die Lehrerin Kate Swift verliebt hat; während diese ihre Leidenschaft hinter einem gestrengen Äußeren verbirgt, bis sie, wie so viele Winesburger, einen nächtlichen Ausbruchsversuch unternimmt. Er endet kaum anders als für die jahrelang vergeblich auf die Rückkehr ihrer Jugendliebe wartende Alice Hindman: Eines Nachts schüttelt auch sie alle Konventionen ab, nur um einen enttäuschenden Schock zu erleiden.