Wurde ja auch Zeit, dass sich jemand eines solch gewitzten Themas annimmt: Friseurgespräche. Normalerweise pflegen die Fachkräfte der "beschneidenden" Zunft Kundenkonversationen nicht über einen recht einfältigen thematischen Rahmen hinaus zu führen. "Musst du noch zur Schule?", "Und, wohin soll's denn gehen, nächsten Urlaub?", "Nein, das Wetter ist doch heute wieder furchtbar!" Puh. Wär' ja alles noch erträglich, aber da uns die Frau Friseurin auch wirklich jedes Mal mit den gleichen tiefenpsychologischen Fragestellungen zu ergründen sucht, langweilen wir uns mit der Zeit dann doch ein wenig während der "Mattenkürzung".
Ganz anders ist das natürlich bei Lars Gustafsson. Der lässt seine Friseur-Protagonistin Windy Mal eben einen Monolog über 132 Seiten aufsagen, der selbst ihrem Kunden, einem gebildeten Professor, noch die gekürzten Haare zu Berge stehen lässt. Bar jeder Struktur, jeder Dramaturgie, ja selbst jeder Handlung, flickt der schwedische Romancier hier einen Text aus Klatsch und wirren Kindheits-Anekdoten Windys zusammen - nur scheinen diese chaotisch gereihten Versatzstücke kein Ganzes zu ergeben. Brauchen sie wohl auch nicht. Angeblich sollen doch bereits die losen Einzelteile fürchterlich bedeutungsschwer sein: "Windys Erzählung umkreist Themen, über die Philosophen Traktate schreiben", schwadroniert der Klappentext. Also das Einzige, was hier kreist, ist mein Kopf! Welche Bedeutung hat es denn, wenn unsere Erzählerin ihre Kindheitsnächte neben einem defekten Erdgasofen verbringen und ausströmende Dämpfe inhalieren musste? Jawohl, die Fähigkeit, in die Zukunft zu sehen, soll unsere paranoide Psycho-Friseuse dadurch erhalten haben!
Zwischen schwach gezeichneten Charakteren, einer regelrechten Nicht-Handlung und platter Sprachgestaltung ist "Windy erzählt" weder als Roman noch als philosophische Abhandlung gewinnbringend, denn nichts von beidem ist das Buch, das sich liest wie das Stichwortverzeichnis eines Philosophie-Lehrwälzers. Fragen ohne Antworten. Über "Windy erzählt" vergeht einem glatt die Lust auf solch haarige Geistesergüsse - und wir denken genügsam: sollen sie nur kommen, die angenehm bescheidenen Gespräche beim Real-Friseur!