Nach dem Versiegen der Ölquellen, die den globalen Handel beinahe vollkommen zum Erliegen gebracht haben, und dem Ausbruch zahlreicher Krankheiten, die alle Pflanzen befallen und somit die Ernährungslage der Welt extrem verschlechtert haben, hat sich das Königreich Thailand in eine selbstgewählte Isolation begeben. Innerhalb des kleinen Landes brodelt es jedoch. Zwei Fraktionen der Regierung stehen sich feindlich gegenüber und die Großkonzerne, die mittels Gentechnik die Ernährung der Menschheit übernommen haben, wollen sich eine Machtposition im Königreich sichern. In diesen unruhigen Zeiten kreuzen sich die Wege von vier sehr verschiedenen Menschen, deren Schicksal enger miteinander verbunden ist, als sie es ahnen können:
Anderson Lake, der für den amerikanischen Konzern AgriGen arbeitet, durchsucht als Geschäftsmann getarnt die Märkte Bangkoks nach dem perfekten Lebensmittel, das allen Seuchen widerstehen kann, und möchte Zugang zur thailändischen Gendatenbank gewinnen.
Emiko - das titelgebende Windup Girl - ist ein künstlich erschaffener Mensch aus Japan. Auf absoluten Gehorsam trainiert wurde sie von ihrem früheren Besitzer in Bangkok zurückgelassen und muss sich nun als Prostituierte durchschlagen. Von den Thais als Monster und seelenlos betrachtet, fristet sie ein mehr als trostloses Dasein.
Hock Seng ist ein rechtloser chinesischer Flüchtling aus Malaysia, der verzweifelt versucht, sich eine bessere Existenz aufzubauen. Der Schlüssel dazu sind Anderson Lake und seine Tarnfirma.
Captain Jaidee Rojjanasukchai arbeitet für das Umweltministerium und ist damit beauftragt, die Gendatenbank Thailands zu schützen und den Einfluss der Großkonzerne und Ausländer im Land einzudämmen. In seinem überzeugten Kampf für die gerechte Sache scheint er sich zu weit aus dem Fenster gelehnt zu haben und muss nun mit ernsten Konsequenzen rechnen.
THE WINDUP GIRL ist insgesamt betrachtet ein recht düsteres Buch. Die Menschheit hat sich in dieser Zukunftsvision keineswegs zum Besseren entwickelt und die Lage der Welt ist schlecht. Hunger, Krieg, Krankheiten, Rohstoffmangel, die Übermacht der Großkonzerne und die Angst vor den Windups prägen die Gesellschaft, wobei Thailand im Vergleich zu den anderen Ländern wie eine Insel der Seeligen wirkt. Die Thailänder konnten sich ihre Unabhängigkeit bewahren, da sie ihre Ernährungslage im Griff haben, was das Land jetzt so interessant für die Großkonzerne macht.
Die Figuren in THE WINDUP GIRL machen es einem nicht immer einfach, mit ihnen mitzufühlen. Jeder von ihnen, egal ob Hauptcharakter oder Nebenfigur, kämpft im Grunde ums nackte Überleben in dieser harten Welt und geht dabei unter Umständen auch über Leichen. Sie alle agieren überzeugend und haben nachvollziehbare Motive, wirklich sympathisch ist aber nur Emiko, die als Einzige nichts dafür kann, in welch schrecklichen Umständen sie sich befindet. Ihr Kampf um Selbstbestimmung und ein unabhängiges Leben ist wirklich ergreifend.
THE WINDUP GIRL beschäftigt sich nicht nur mit der Frage, was nach der Ölkrise kommen könnte, es geht auch um moralische und religiöse Aspekte. Emiko, die vermeintlich seelenlose Windup, steht hierbei im Zentrum. Soll man einem künstlich erschaffenen Lebewesen die gleichen Rechte wie einem Menschen einräumen? Hat sie überhaupt eine Seele und kann wiedergeboren werden? Was passiert, wenn die Windups die Oberhand gewinnen? Diese philosophischen und umweltbezogenen Fragen stehen aber nicht im Mittelpunkt der Handlung, der Hauptfokus liegt auf den Umwälzungen in Thailand.
Insgesamt hat mir THE WINDUP GIRL gut gefallen. Mich konnte nicht einmal schrecken, dass Bacigalupi seine Geschichte im Präsens verfasst hat, was ich üblicherweise nicht unbedingt schätze. Der Einstieg in den Roman hat sich für meinen Geschmack aber etwas mühsam gestaltet, da es doch eine Weile dauert, bis die Handlungsstränge zusammenlaufen und wirkliche Spannung aufkommt. Trotzdem kann ich das Buch allen Freunden von Dysotopien, die sich nicht von einer komplexen Handlung abschrecken lassen, empfehlen.