Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Traumhafter Zugang zu einer inneren Bildwelt, 1. Dezember 2007
Die Autorin wurde in Dalmatien, heute Kroatien, geboren. Bis zum neunten Lebensjahr wohnte sie bei ihrem Großvater, in dem kleinen Dorf Svib. Erst 1983 zog sie zu ihren bereits als Gastarbeiter in Deutschland lebenden Eltern. Erst ab diesem Zeitpunkt erlernte sie die deutsche Sprache. In Frankfurt am Main studierte sie Kulturanthropologie, Psychoanalyse und Slawistik. Ihre ersten Bücher "Tito ist tot"(2002) und "Der Spieler der inneren Stunde"(2005) sind Zeugnis dafür, dass Marica Bodrozic den Abschied noch nicht ganz vollzogen hatte. Dass sie schließlich in der deutschen Sprache angekommen ist, beweisen ihr Essayband "Sterne erben, Sterne färben" und der Erzählband "Der Windsammler".
Marica Bodrozic war neun Jahre alt, als sie nach Deutschland kam, musste dann erst Deutsch lernen, Schritt für Schritt, Wort für Wort in die neue Sprache hineinwachsen und dann schreibt sie "nur im Deutschen ließ es sich präzise träumen". Und Träume sind ein ganz zentrales Thema in diesem Buch. In fast jeder Erzählung kommen Träume vor. Die Geschichte zu schreiben, in der Walter Ulbricht träumte, hat der Autorin wie sie kürzlich in einem Interview sagte, eine schelmische Freude gemacht. Bei einem Jagdausflug auf dem Sommerregierungssitz von Tito hat der kurzsichtige Ulbricht durch eine List Titos, einen kapitalen Dammhirsch erlegt. Dieser Hirsch sucht ihn nun jede Nacht im Traum auf und versucht ihm etwas über die Wirklichkeit bei zu bringen, ihm also zu sagen, du hast schuld an meinem Tod, denn ich war nicht nur Dammhirsch, sondern ich bin ein "geistiges Wesen". Er gibt ihm in der Folge Aufgaben auf, so muss Ulbricht sich nun mit Hirschen, Wäldern, Bergen, Vögeln beschäftigen. Bei diesen geologischen Ambitionen entfernt er sich immer weiter von seinem politischen Alltag und wird schließlich eines Tages von seinem Posten enthoben. Das Originaldokument der Amtsenthebung hat die Autorin geschickt in die Geschichte eingeflochten. Diese Erzählung soll dokumentieren, dass Träume eine unglaubliche Kraftquelle besitzen und mit ihrer Bildermacht in der Lage sind Menschen zu verändern. Die Vorstellung, dass man jemandem der kein Gewissen hat, etwas über das Gewissen beibringen kann. indem man Bilder und Träume dafür einsetzt, das hat die Autorin eigentlich in allen Geschichten fasziniert. Ganz besonders gilt das für diese Politgroteske mit Ulbricht, weil die auch noch humorvoll ist.
Marica Bodrozic hat ihren Erzählungen als Motto eine Anekdote voran gestellt, die von Joseph Brodsky überliefert ist. 1964 wurde er in der Sowjetunion wegen
Parasitentums angeklagt und zu fünf Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Als er von der Richterin gefragt wird, wo man so etwas lernen kann, da antwortete er, das kommt von Gott. Er hatte nichts außer sich selbst, außer seinem Leben und er hat dieses Leben benutzt um einen solchen Satz zu sagen. Das war die einzige Möglichkeit um seine Würde zu schützen. Diese Thematik taucht in einem etwas anderen Zusammenhang auch in der Titelgebenden Geschichte des "Windsammlers" wieder auf. Die Autorin bewegte die Frage, was wäre denn heute das, was man Parasitentum nennen könnte, etwas was anecken, was provozieren könnte, was sich nicht in das herkömmliche Weltbild hineinfügt? Das wäre sicher jemand der in dieser globalisierten Welt unnütze Dinge tut, Dinge für die er kein Geld bekommt. Es ist dieser Augenblick, wo man aus den materiellen Gesetzen, aus dem herkömmlichen Ablauf eines Alltags heraus fällt, der dinghaften Welt ein Schnippchen schlägt und Individualismus lebt. So hat Marica Bodrozic diese Geschichte des "Windsammlers" in Anlehnung an Brodsky gefunden. Sie schickt einen Ethnologie Studenten, was sicher kein Zufall ist, denn er will ja wissen was das andere ist, aus der Hauptstadt zurück auf seine Geburtsinsel und das auf Grund eines Traums. Er hat geträumt, dass er die Aufgabe hat Wind zu sammeln, also etwas zu tun, was man eigentlich nicht tun kann. Die Autorin will mit ihrer von lyrischem Eigensinn und poetischem Bilderreichtum geprägten Sprache darauf hinweisen, dass jeder in sich selbst so einen Windsammler trägt, nur das er ihn in der Regel nicht lebt, sondern verneint und sich somit vielleicht einen Zugang zu einer inneren Bildwelt verbaut. In diesem Buch hat die Autorin sehr stark mit dieser inneren Bildwelt gearbeitet, mit Bildern in Träumen.
Ein schön zu lesendes Buch und ein wunderbares Buch für alle diejenigen, die bereit sind, sich von dieser eine "Überdosis Poesie" versprühenden Sprache verzaubern zu lassen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
fabelhaft Bildhaft, 5. Januar 2008
Dieses Buch fasziniert ungeheim. Die bildhafte Sprache mit so modernen wie auch romantischen Begriffen und Umschreibungen, in fabelhaft schönen Sätzen, laden ein in eine Traumwelt. Geschichten, wie als Märchen wunderschön erzählt, mit einem tiefen Hintergrund berühren den Leser.
Das Buch ist anspruchsvoll in seinen Aussagen wie auch den Sätzen. Es öffnet sich aber für alle, welche die Welten rund um die faszinierenden Inselgeschichten leben lassen.
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