Neue Rockmusik anno 67, das war in der Regel mit neuen Namen verbunden: Hendrix, Zappa, Pink Floyd, Doors und und und ... Eric Clapton gabs schon bei den Yardbirds, was er mit den Cream machte, war aber doch ein neues Ding. Ein arrivierter Name waren auch die Beatles, doch die Fab Four vollendeten in jenem Jahr ihre mit "Rubber Soul" begonnene Entwicklung mit "Sgt. Pepper", danach war nichts mehr wie vorher.
Dass aber eine R & B-Hammergruppe wie die Animals mit ihrem explosiven Sänger im "Summer of Love" nicht nur auf Psychedelic umsteigen würden, sondern auf genauso hoher musikalischer Qualität als Reiter auf der neuen Welle bleiben würden, damit dürften nicht viele gerechnet haben. Und der Produzent hieß jetzt Tom Wilson, von Dylan, Blues Project, Zappa und Velvet Underground her schon wohlbekannt, und da konnte nur verdammt Gutes herauskommen. Ist es auch.
"Winds of Change" über 40 Jahre später zu hören ist für mich einerseits mit eine wunderschöne Erinnerung an all das Großartige, das es an Musik damals gab, andererseits aber auch ein Album von zeitlosem Wert. Der hypnotische Titelsong stellt die Gruppe deutlich in Zappa- und Velvet Underground-Nähe, bei "Poem By The Sea" hebt Burdon mit seiner Gruppe völlig ab, um anschließend gleich zu zeigen, wie man einen R & B-Fetzer der Stones zu einem Psychedeli-Knaller machen kann. "The Black Plague" ist ein fesselndes Songpoem, "Yes I Am Experienced" eine passend temperamentvolle Antwort auf eine Frage von Jimi Hendrix an ebendiesen, und die zweite Seite der damaligen LP bot genauso abwechslungsvolle und stimmige Musik, kein Song gleicht dem anderen. "San Franciscan Nights" - kaum ein anderer großer Rocksong jener Zeit brachte es so gut auf den Punkt, was damals in Frisco geschah. "Man-Woman" ist einer der frühesten Songs der Rockgeschichte zur Genderthematik (den Begriff gabs damals noch nicht), "Hotel Hell" ist ein melodramatisches Lied von kaum überbietbarer Intensität, während "Good Times" seinem Titel insofern gerecht wird, als dass es tatsächlich von diesen Zeiten handelt, ohne deshalb oberflächliche Good-Time-Music zu sein. Schlicht und einfach ein schönes Liebenslied ist "Anything", und mit "Its All Meat" lassen es die Burschen zum Abschluss nochmals richtig krachen.
Die vorliegende CD-Edition stammt aus 2003 und aus England, wer sie remastered hat, steht nicht drauf, dürfte nicht von Eroc sein, der Sound hat nicht ganz die Qualiät der ein Jahr später, 2004 also veröffentlichten Eroc-Remaster-Version, ist im Großen und Ganzen aber überaus zufriedenstellend. Und was diese Edition der ein Jahr darauf veröffentlichten voraus hat ist die Tatsache, dass es zwei Bonus-Tracks mehr gibt, die eine der genialsten Singles von 1967 ausmachten: "A Girl Named Sandoz" war deren B-Seite, eine packende Acid Rock-Nummer mit einem bohrenden Bassriff, und die A-Seite mit einem Song, den Eric Burdon erst vor ein, zwei Jahren im "Musikexpress" als seinen allerbesten in seiner ganzen Karriere bezeichnet hat: "When I Was Young"! Da kann ich ihm nicht wiedersprechen. Alleine schon, weil Musik wie diese wirklich hilft, jung zu bleiben ...