Das Problem mit Beigbeder ist, dass er eigentlich nur über sich selbst schreiben kann. Dies ist das dritte Buch, das ich von ihm gelesen habe, nach "39,90" und "Die Liebe währt drei Jahre", und man kann als Leser kaum an der Tatsache vorbei, dass in allen drei Büchern die Leben identischer Protagonisten beschrieben werden. Das hat Vor- und Nachteile. Der Vorteil ist, dass Fans immer wissen, was sie mit jedem neuen Buch bekommen. Denn schließlich ist Beigbeder als Mensch schon recht spannend, er kann gut über seine Beziehungsprobleme und seine sinnlosen Jobs schreiben, und er kokettiert auch sehr unterhaltsam mit seinem eigenem Erfolg, dank dessen er es immerhin zu ausreichend viel Berühmtheit gebracht hat, um uns auch einen Blick auf die in unser Gesellschaft so ersehnte Prominenz der A- und B-Sternchen werfen zu lassen. All das ist gut beschrieben und mit etwas Sex, schwarzem Humor und Lebensschmerz gewürzt. Es liest sich gut, auch in diesem Buch.
Der Nachteil dieser Art von Literatur ist jedoch auch, dass sich die Dinge in den Büchern wiederholen. Und ein weiterer Nachteil ist, dass alle Themen, die nicht unmittelbar mit dem Autor selbst zu tun haben, irgendwie den Bach heruntergehen. Und das passiert auch in diesem Roman, in "Windows on the World". Und, um ehrlich zu sein, der Autor versucht noch nicht einmal zu verstecken, das es hier um ihn selbst geht, nicht um die Anschläge.
Der Roman ist in viele kleine Kapitel gegliedert, die jeweils eine Minute zwischen dem Einschlag des Flugzeuges in den Nordturm des World Trade Centers am 11. September und dessen Einsturz umfassen. Etwa die Hälfte dieser "Minutenkapitel" erzählt die Geschichte eines von seiner Frau getrennt lebenden Vaters, der mit seinen zwei Söhnen zum falschen Zeitpunkt in das Restaurant im Turm zum Frühstücken gegangen ist. Natürlich ist der Vater ein Alter Ego des Autors, und natürlich teilt er die Erfahrungen mit den Beziehungen des Protagonisten aus "Die Liebe währt drei Jahre". Und da es nicht wirklich einen Weg gibt, sich irgendwie zu retten, bleibt dem Vater auch nichts anderes übrig, als ein bisschen seine Kinder zu trösten und über die Welt zu raisonnieren. Fast die interessanteste Stelle ist der Einblick in die Gedankenwelt eines der beiden Kinder in dieser Situation. Die Spannung leidet aber darunter, dass alle Leser das Ende ja bereits kennen.
In den restlichen Kapiteln schreibt der Autor über sich selbst, über seine Gedanken in einem entsprechenden Hochhaus in Paris und über seine Erlebnisse bei einer Reise nach New York etwa ein Jahr nach den Anschlägen. Die Abschnitte bilden eigentlich nicht eine Geschichte. Es ist eigentlich eher eine Reflektion über die Gesellschaft, in der ein solcher Anschlag passieren kann. Eine wirkliche Erklärung liefert Beigbeder aber nicht. Letztendlich steht er genauso fassungslos vor den Ereignissen wie der Rest der Welt auch.
Am Ende des Buches muss man nicht bereuen, es gelesen zu haben. Aber man hat auch das Gefühl, dass eine wirklich literarische Bearbeitung des Themas anders aussehen muss.