Aus der Amazon.de-Redaktion
Das Feld, das hier von Clinic auf
Winchester Cathedral beackert wird, war lange Zeit ein leerer Strand, an den sich höchstens die Liebhaber des Obskuren gezielt hinverirrten. Spätestens mit Bands wie
The Coral und ihrer offenen Verehrung für die Psychedelic-Sounds der Sechziger hat sich das geändert, und Clinic stoßen nun in ein gemachtes Bett nach.
In den Räumen von Clinic wabert es gewaltig. Hallgeräte sind eine Grundzutat, eine Weitere ist abwechselnd eine Melodica oder eine Klarinette als Melodieträger, die Drums kommen meist ohne Snare daher, und es ziept und fiept und zischt und kratzt und gurgelt im Hintergrund, der mit unendlich vielen Klangversatzstücken wie ein Nebelteppich über die Songs gelegt wird. Die Stimmungen schwanken dabei zwischen fast radiofreundlichem Happypsychedelicjazz ("Falstaff") und Tom Waits auf ganz schlechtem Acid ("Vertical Take Off In Egypt"). Völlig überraschend donnert das Clinic-Personal mit "WDYYB" einen lupenreinen Rocker im Stil von Black Rebel Motorcycle Club zwischen die verdrehten Augen, nur im instrumentalen Rauswerfer "Fingers" findet man dann noch einmal einen Song, der halbwegs konventionell daherkommt.
Winchester Cathedral ist definitiv ein spannendes Album, das wohl erst im dritten Durchlauf zündet, aber: besser verwirrt als gelangweilt werden. Und Verwirrung bekommt man hier in großen Ladungen vor das heimische Hörsofa gekippt. --Deborah Denzer
Clinic kamen, um gegen den Strich zu bürsten. Mit Elektronik, Percussions und Melodica mischten sie Ende der 90er Artpunk unter die Indiegitarren - und vergaßen die eingängigen Melodien dennoch nicht. Das war auf dem Debüt so, und auch das Meisterwerk "Walking with Thee" begeisterte mit diesem Rezept. Jetzt lässt das Liverpooler Quartett "Winchester Cathedral" folgen. Doch inzwischen sind ihre eingängigen Schrulligkeiten etabliert, manchmal gar abgestanden. Dass sie noch immer tolle Songs schreiben können, beweist allerdings bereits der Opener "Country Mile", und vor allem in ruhigen Momenten ("Anne", "Home") überzeugen die maskierten Engländer voll. Trotzdem kommen sie nicht mehr ohne Füller aus, und oft zerren quäkige Jazzexperimente an den Nerven. (cs)