Film
Regisseur Thomas McCarthy legt nach "Station Agent" und "Ein Sommer in New York" sein drittes Werk vor. Wie in den Vorgängern, geht es auch diesmal um das Schicksal eines kleinen Mannes und wie er allen Widrigkeiten zum Trotz damit fertig wird. Einfühlsam, unspektakulär und mit viel Liebe zu seine Charakteren, inszeniert McCarthy eine außergewöhnliche Geschichte in einem sehr realistischen Umfeld, die den Zuschauer nachhaltig berührt und trotz aller Tragik auch viel Optimismus verbreitet.
Mike ist ein erfolgloser Anwalt in einer langweiligen Vorstadt. In seiner Freizeit trainiert er das desaströs schlechte Ringer-Team der örtlichen Highschool. Seine Kanzlei läuft so schlecht, dass er den gewohnten Lebensstandard für seine Vierköpfige Familie nicht länger aufrecht erhalten kann. Doch statt mit seiner Frau zusammen eine Lösung zu suchen, will er auch mal ein Stück vom Kuchen, den sich sonst nur die Cleveren und Gerissenen einverleiben. Darum trickst er bei der Sorgerechtsverhandlung eines dementen Mandanten und wird zum Vormund erklärt. Fortan kassiert er den vollen Betrag eines häuslichen Pflegers, schiebt den Mandanten aber auf dessen eigene Kosten (und gegen dessen Willen) in ein Altersheim ab. Der kleine Betrug scheint tatsächlich zu gelingen, bis kurz darauf ausgerechnet der Enkel des Mandanten vor seiner Tür steht, weil er nicht länger bei seiner Drogen abhängigen Mutter leben will. Weil Mike ein viel zu gutes Herz für einen echten Schurken und dementsprechend ein äußerst schlechtes Gewissen hat, nimmt er den Jungen bei sich auf. Nach anfänglichen Problemen entwickelt sich nicht nur ein zaghaftes Vertrauensverhältnis, sondern der Teenager entpuppt sich auch noch als hochtalentierter Ringer. Doch das zarte Glück das Mike erleben darf, steuert keineswegs auf einen goldenen Sonnenuntergang zu.
Neben dem intelligenten, vielschichtigen Drehbuch, das sich wohltuend von vorhersehbarer 0815-Ware abhebt, dem gelungenen Erzählfluss und einer Priese Humor, wissen vor allem die Darsteller zu überzeugen. Paul Giamatti als liebenswerter Loser ist in dieser Rolle mittlerweile so etabliert wie Robert de Niro als Mafia Pate. Amy Ryan als pragmatisch forsche Ehefrau/Mutter und Bobby Cannavale als bester Freund und tragisch-komischer Lebemann stehen ihm kaum nach.
So richtig rund wird der Film aber erst dadurch, dass er sich nicht ausschließlich auf das Schicksal der Hauptfiguren fokussiert. Das Los des dementen Mandanten (herrlich schrullig von Burt Young gespielt - Bekannt als "Paulie" aus den Rocky Filmen) und dessen Familie bleibt ebenso im Blick des Zuschauers wie das jugendliche Ringer-Team. Der Film ist wie ein Mosaik, dass aus vielen Facetten besteht und sich insgesamt zu einem stimmigen Ganzen zusammenfügt.
"Win Win" ist tragisch und lustig, nachdenklich und unterhaltsam, niederschmetternd und lebensbejahend. Eine traurige Geschichte mit liebenswerten Menschen die das Beste daraus machen. Nein, besser: Denen es gelingt, etwas Gutes daraus zu machen.
Technik und Ausstattung
Die Blu-ray bietet gute Qualität auf dem Stand der Technik. Das Bild ist scharf, bietet kräftige Farben und liegt merklich über DVD-Qualität. Ein echtes Referenzprodukt sollte man von einer Independendproduktion allerdings nicht erwarten. Leider ist lediglich die englische Originaltonspur in HD. Die deutsche und französische Sprachfassung begnügt sich mit 5.1 DTS, was bei einem dialoglastigen Film aber meines Erachtens zu verschmerzen ist. Die Extras (zwei entfallene Szenen, ein paar Interviews, eine kurze Analyse der Charaktere und ein Festival Bericht) sind recht kurz aber dafür interessanter als das sonst oft verwendete Promo-Material. Wie man es von "CineProjekt" gewohnt ist, verfügt die Blu-ray über ein Wendecover ohne FSK Kennzeichnung.