Bereits in seinem zuletzt veröffentlichtem Album
That Lucky Old Sun-Ltd (CD+Dvd) verwendete Brian Wilson einen alten Louis Armstrong Titel und transformierte das vorgefundene Urmaterial in seine eigenen Klangwelten. Dass diese Neuinterpretation aus musikalischem Interesse -denn es handelte sich keineswegs um eine bloße Adaption- und nicht aus Ermangelung eigener Kompositionen bewusst das zentrales Motiv dieses letzten Wilson Albums wurde, mochte vielleicht Todd Gershwin, den Großneffen George Gershwins, bewogen haben, Wilson für die Vollendung von nie veröffentlichten, unvollendeten Kompositionen seines Großonkels (Von 70 Titeln war zunächst die Rede!) zu gewinnen.
Trotz dieser verheissungsvollen Ankündigung liefert dieses Album mehr bereits Bekanntes als Neues von den Gershwin Brüdern. Es handelt sich eher um ein "'Best Of'" ergänzt um zwei neue Titel. Die Sensation eines Albums mit nur unveröffentlichtem Material bleibt also aus. Andererseits gelingt es Wilson, seine ganz persönlichen Lieblingsstücke mit den beiden Acapella Versionen von Rhapsody in Blue so zu rahmen, dass daraus einmal mehr ein Konzept Album in Wilsonscher Manier entsteht. Vielleicht macht gerade die sorgsame Selektion des unveröffentlichten Materials in der Kombination mit den bekannten Klassikern die Größe des Albums aus.
Wilson verfährt bei diesem Projekt nach den sich selbst auferlegten strengen Maßstäben und wählt vom Gutem nur das Beste. Und das Beste wurde eben schon veröffentlicht. Um so beeindruckender ist am Ende, dass die beiden neuen Gershwin Kompositionen ohne Qualitätsabfall neben den ewigen Klassikern zu bestehen vermögen. Und wenn man es nicht wüsste, "The Like in I Love you" könnte, einem Vexierbild gleich, auch von Wilson komponiert sein.
'"I loves you Porgy'" von Nina Simone gesungen, kann von Brian Wilson bei weitem stimmlich nicht erreicht werden, auch wenn sich Brian entwickelt und befreit hat, seine Stimme besser denn je klingt, vermisst man die Wärme dieser früheren Interpretation. Brian Wilson gleicht dieses Defizit aber durch seine feinfühligen und vielschichtigen Arrangements, den spielerischen und virtuosen Einsatz von Gesang, Streichern und Schlagwerk mehr als aus. Seine Interpretationen wirken leicht und beschwingt, scheinen geradezu zu schweben und so gelingt es dann doch noch, das Eis zu brechen. BW, der die Vorlagen mit dem nötigen Respekt interpretiert, lässt er es sich schliesslich nicht nehmen, mit einem Augenzwinkern kurz einmal Chuck Berry und Phil Spector vorbei schauen zu lassen und mit George bekannt zu machen, bevor er gelassen weiterswingt, als wären die beiden nie dagewesen.
Das was hier zu hören ist, ist äußerst beziehungsreich arrangierte Musik in absoluter Perfektion als Weltpremiere zweier unverhofft auferstandener Kompositionen Gershwins, kongenial ergänzt von einem ebenso unverhofft auferstandenen Brian Wilson.