(14. Band der Wilsberg-Serie) Erst mit Verzögerung merkt Georg Wilsberg, dass er den letzten Augenblick im Leben des Professors Günter Kaiser fotografisch festgehalten hat. Eine Kugel beendet jäh den Versuch des Sprachwissenschaftlers, sich einer Studentin unsittlich zu nähern – und aus dem schlichten Überwachungsauftrag, den die Professorengattin dem Detektiv erteilt hat, ist ein Mordfall geworden. Da seine zur Witwe gewordene Auftraggeberin von der Polizei verdächtigt wird und sie ihm ausgesprochen sympathisch ist, beginnt Wilsberg zu ermitteln – und stößt auf den Fluren der altehrwürdigen Westfälischen Wilhelms-Universität auf ein Geflecht von Intrigen und fragwürdigen Beziehungen. Gründe, den verhassten Sprachforscher ins Jenseits zu befördern, hatten viele: vom verstoßenen Sohn des Professors über die ausgenutzte Assistentin und deren eifersüchtigen Ehemann bis hin zu dem in inniger Feindschaft mit dem Opfer verbundenen Professorenkollegen. Oder hat der Mord etwas mit Kaisers Forschungsgebiet, den Geheimsprachen, zu tun?
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Münster ist nicht gerade das, was man ein "heißes Pflaster" nennt. Beamte und Studenten schieben ihre Fahrräder durch die kleinbürgerliche Kulisse des Prinzipalmarkts, der nach seiner Zerstörung während des Zweiten Weltkriegs wieder idyllisch rekonstruiert wurde. Auch die ehrwürdige Westfälische Wilhelms-Universität am Domplatz ist -- trotz aller Intrigen des akademischen Klüngels -- eigentlich kein Hort des Schreckens. Kein Wunder also, dass Privatdetektiv Georg Wilsberg auf die Frage einer Verhörten, ob sein Leben ebenso spannend wie ein Krimi sei, antwortet: "Meistens nicht".
Manchmal aber wird es dann doch so richtig aufregend. Immerhin handelt es sich bei Wilbergs Leben um eines, das nur im Krimi des talentierten Autors Jürgen Kehrer existiert. Und deshalb ist der bei Lesern überaus beliebte Schnüffler auch in seinem neuen Fall gleich zu Anfang mitten drin in einer verbrecherischen Geschichte, die zunächst wie ein Campus-Roman aus der Feder von Dietrich Schwanitz -- mit der sexuellen Bedrängung einer Studentin durch den renommierten Sprachwissenschaftsprofessor Günter Kaiser nämlich -- beginnt. Wilberg ist von Kaisers Frau beauftragt, ihrem Verdacht über das ausschweifende Liebesleben ihres Mannes Beweise beizusteuern. Auf dem Bildschirm seiner Digitalkamera wird Wilberg Zeuge, wie seine Auftraggeberin während der Observierung zur Witwe wird. Für den schmierigen Kommissar Stürzenbecher ist prinzipiell jeder verdächtig: Da muss Wilberg wohl oder übel selbst ermitteln.
Wie es sich für einen spannenden Krimi mit einem Schuss Ironie gehört, findet der fulminante Showdown von Wilsberg und der tote Professor auf dem Münsteraner Friedhof statt. Wie es Wilsberg -- für einen Serienhelden ja eigentlich selbstverständlich! -- gelingt, "lebend von den Toten wegzukommen", wird hier nicht verraten. Dass es sich aber bei Kehrers inzwischen 14. Wilsberg-Buch um einen tollen Krimi handelt, soll hingegen kein Geheimnis bleiben. --Thomas Köster
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Dass es um diesen Roman einen so großen Wirbel gegeben hat, hat einzig und allein dem Autoren geholfen, denn ohne die von einen Privatdozenten der Universität Münster angestrengte Verleumdungsklage (der PD glaubte sich in der Person des ermordeten Professor beschrieben zu sehen) hätte sich das Buch sicher nicht so gut verkauft. Hauptkritikpunkt ist wohl, dass die Beschreibung des Professors eine Sicht auf den Uni-Alltag widergibt, die sicher nicht den Realitäten sondern skurilen Stereotypen entspricht. Der Professor ist in seinem Verhalten weiblichen Kollegen und Studentinnen gegenüber so verzeichnet, dass es eigentlich verwundert, dass man sich in ihm wiedererkennt. Die Rollen, die die Assistenten/Assistentinnen des Professors spielen, sind absolut unrealistisch. Durch diese Überzeichnung wird im Roman die eigentlich spannende Grundidee ins Lächerliche gezogen. Im Grunde wird dadurch (und durch die zum Teil sehr einfache und blasse Sprache) das Vorurteil der Trivialität gegen die z.Z. wie Pilze aus dem Boden schießenden Regionalkrimis untermauert.
Dem Autor Jürgen Kehrer gelingt es meisterhaft neben seinem Hauptakteur, Privatdetektiv Wilsberg der als "Ich"-Erzähler aggiert, viele interessante, skuriele und abwechslungsreiche Charkteren zu schaffen. Diese vermengt mit einer spannenden und wendungsreichen Story bilden einen klasse Detektivroman, dem man zum Leidwesen des Lesers in kürzester Zeit durchgelesen haben wird.
Prof. Günter Kaiser wird in seinem Büro beim Geschlechtsverkehr mit einer Studentin von einem gegenüberliegenden Gebäude aus erschossen. Einer der Hauptverdächtigen ist der Kollege Prof. Varnholt, Sprachforscher an der Uni Münster wie Prof. Kaiser. Beide sind in erster Linie mit Orchideenforschung (z. B. Geheimsprachen) befasst und missgönnen einander alles: Ruf, Geld, Stellen etc. Zum schlechten Ton untereinander gehört auch das gegenseitige Verklagen wegen Rufschädigung und ähnlichen. Autor Jürgen Kehrer malt ein ziemliches abgedroschenes Bild des Hochschulalltags und bedient gängige Vorurteile insbesondere gegenüber Geisteswissenschaftlern. Darunter leidet der ansonsten durchaus unterhaltsame Krimi um den Münsteraner Privatdetektiv Georg Wilsberg, der sich bei seinem 14. Fall sogar verlieben darf: ausgerechnet in die Witwe von Kaiser, die selbstverständlich ebenfalls unter Mordverdacht steht; genau wie die beiden Assistent/innen von Kaiser, der Ehemann der Assistentin sowie Kaisers Sohn. Am überzeugendsten an Kehrers Krimi wirken wie üblich die Szenen aus Wilsbergs Privatleben: das kurzzeitige Verschwinden seiner Tochter, die Treffen mit Franka, seine Kommentare zur Fußball-WM in Asien ...