Willy Astor ertastet sich seine Erzählungen, indem er die "Silbenseen" der Fußballernamen oder Internet-User durchschwimmt, indem er alternde Guantanamera-Folkies mitsingen lässt oder die moderneren HipHop-Musiker verulkt. Das komplette Publikum singt verzückt Worte mit, die sich so ähnlich (aber nur so ähnlich) anhören wie Guantanamera. In "Wein, Web und Gesang" verschiebt er die Fachbegriffe der Internet-User - vom freien Steckplatz bis zum Motherboard - in die Welt der Erotik: "Man kann sich leicht eine Sprache vorstellen, die nur aus Befehlen und Meldungen in der Schlacht besteht, oder eine Sprache, die nur aus Fragen besteht und einem Ausdruck der Bejahung und Verneinung. Und unzählige andere. Eine Sprache vorstellen heißt, sich eine Lebensform vorstellen..." hatte der Philosoph Ludwig Wittgenstein einmal bemerkt: Willy Astor setzt dies genial in die Praxis um, als hätte er sich zum Philosophen ausbilden lassen und nicht zum Werkzeugmacher bei BMW. Dass er außerdem ein versierter Fingerpicking-Gitarrist ist, macht die Performance wahrlich nicht schlechter. Da wäre der verklemmte Philosoph Wittgenstein schon mal gar nicht mitgekommen, auch nicht Heinz Erhardt, mit dem er zuweilen veglichen wird, nicht Christian Morgenstern mit seinen Galgenliedern ohne Gitarre oder der Österreicher Alf Poier mit hektisch hervorgezerrten Kindergarten-Malereien. Etwas Gitarre hat allerdings auch Otto Waalkes gespielt, aber Willy (so altmodisch auch sein Name ist und zur Verbesserung anregt in "Will Lee"): Willy ist einfachst der allermodernste Silben- und Saiten-Drechsler!