Wird man der Stückangaben auf dem Cover ansichtig, fährt einem der Schreck in die Glieder: die Gesamtsumme von 73 Minuten machte "Willow" zum Zeitpunkt seiner Erstveröffentlichung zum längsten Soundtrack, der auf einer einzigen CD veröffentlicht wurde. Kann ein Komponist auf solcher Distanz musikalischen Stillstand, der oft schon für über 35 Minuten lange Alben kennzeichnend ist, vermeiden? James Horner antwortet uns mit einem "JA!" aus vollem Halse. Und in der Tat ist die musikalische Vielfalt, die er vor uns ausbreitet, beeindruckend: seinen Orchesterapparat (ergänzt durch eine Vielzahl Solisten: Pan-Flöten, Dudelsack, Sakauhachi, keltische Harfe) stürzt er in ein Wechselbad von romantischen Versatzstücken (á lá Robert Schumann) über Stravinsky-Reminiszenzen bis hin zu barbarischen Orchesterkollagen im Stile Pendereckis mit starkem percussiven Einschlag (bes. "Willow, the Sorcorer"!). Durch eine Verpflechtung dieses Rundumschlags in der Musikgeschichte mit den beiden Hauptthemen (das an irische Volksmusik gemahnende "Elora Danan"-Thema und das heroische "Willow"-Motiv), deren nicht mehr gradlinige Harmonik in variierender Instrumentierung den Reifeprozess des Komponist belegen, schafft er ein dynamisches Gesamtkonzept, das den Hörer immer wieder neu fesselt. Überintellektuelle Musik-Puristen mögen die Vereinigung von über hundert Jahren Musikgeschichte als Sakrileg anklagen, doch zur Hölle mit ihnen, wenn das Ergebnis eine Filmmusik von dramatisch berstender Kraft ist, wie hier der Fall. Absolute Kaufempfehlung!