Jake Scott scheint das Regie-Gen von Vater Ridley und Onkel Tony Scott geerbt zu haben, auch wenn "Willkommen bei den Rileys" nach "Plunkett und Macleane" erst sein zweiter Langfilm ist. Er hat dafür zahlreiche Videos und Dokumentationen über R.E.M., Tori Amos, Radiohead, Cypress Hill, The Smashing Pumkins, The Cranberries und U2 gedreht und nun eben "Willkommen bei den Rileys". Dafür hat er sich aber immerhin James Gandolfini ("The Sopranos"), Kristen Stewart ("Twilight", "Into the Wild") und Melissa Leo ("The Fighter") vor die Kamera geholt und ein kleines, feines Drama abgedreht, dass mit 110 Minuten zwar einen Tick zu lang geraten ist, aber glücklicherweise nicht langweilt.
Doug (James Gandolfini) und Lois (Melissa Leo) haben vor acht Jahren ihre 15jährige Tochter bei einem Autounfall verloren. Seitdem ist ihre Ehe in der Trauer um ihre einzige Tochter erstarrt. Doug hat seit vier Jahren eine Affäre mit Kellnerin Vivian (Eisa Davis), Lois hat das Haus seit dem Unfalltod ihrer Tochter nicht mehr verlassen und fristet ein einsames, wortkarges Dasein in ihrem schönen Haus in Indianapolis. Dafür hat sie aber schon mal den Grabstein für sich und Doug bestellt, der direkt neben dem ihrer Tochter steht. Doug fühlt sich zunehmend allein und erdrückt durch das Zusammenleben mit Lois und nutzt eine Geschäftsreise nach New Orleans zum Ausbruch aus seiner tristen Ehe. Als er durch Zufall die Prostituierte Mallory (Kristen Stewart) kennenlernt, beschließt er spontan, seine gut gehende Firma zu verkaufen und eine Weile in New Orleans zu bleiben. Er hilft Mallory, ihre verkommene Bruchbude wieder bewohnbar zu machen und kümmert sich auch sonst ein wenig um die nur scheinbar abgehärtete Mallory, für die Doug zum väterlichen Freund wird. Für Lois hingegen ist Dougs "Auszeit" eine Katastrophe, die sie zu einer weitreichenden Entscheidung veranlasst...
"Willkommen bei den Rileys" ist perfektes Darstellerkino, für das Regisseur Jake Scott sich einen wunderbaren Cast ausgesucht hat. James Gandolfini beherrscht jede Nuance des verzweifelten Ehemanns auf der Suche nach noch ein wenig Glück oder Erlösung. Sein Doug ist verletzbar, wortkarg, enttäuscht, traurig, wagemutig und zielstrebig. Melissa Leo steht ihm in nichts nach und gibt ihrer Lois ernste, tragikkomische und rührende Facetten. Und auch Kristen Stewart zeigt erneut, dass mehr schauspielerisches Talent in ihr steckt als benötigt wird, um ein Vampir-Groupie darzustellen. Ihre Mallory ist eine Mischung aus vermeintlich abgebrühter Hure und Mädchen mit geplatzten Träumen, das viel zu schnell erwachsen werden musste.
Die Locations tragen ihren Teil zur gelungenen Umsetzung des Drehbuches bei. New Orleans zeigt sein hübsches und sein hässliches Gesicht und man ist von beiden sichtlich fasziniert. In Kombination mit einem dezenten Soundtrack ergibt sich so ein äußerst rundes Bild von den Rileys und Mallory.
"Willkommen bei den Rileys" ist ein ruhiger, oftmals trauriger Film, der sich nicht scheut, das Leben der Protagonisten so ungeschönt zu zeigen, wie es nun mal ist. Jake Scott gelingt aber das Kunststück, seinen Film trotz aller Tristesse nie wirklich deprimierend wirken zu lassen. Die anfängliche Distanz zu den Figuren schwindet schnell und bald fühlt man sich in New Orleans genauso zu Hause wie Doug. Man fühlt die Sprachlosigkeit der Eheleute, denen es über die Trauer über den Tod ihres einzigen Kindes nicht gelungen ist, sich einander mitzuteilen und füreinander da zu sein. Man versteht Dougs mentale Bedrängnis, in die Lois ihn durch den Kauf des Grabsteines und ihre Agoraphobie bringt, man versteht gen Ende des Films aber auch Lois' Ängste und wie es zu diesen gekommen ist. Einzig Mallorys Charakterisierung bleibt etwas schablonenhaft, was Kristen Stewart zu einem etwas klischeehaften Spiel verdammt.
Ausstattung: Ton in deutsch (DD 2.0 und 5.1) und englisch (DD 2.0), deutsche Untertitel, deutscher und englischer Trailer sowie eine sechs Filme umfassende Trailershow.
"Willkommen bei den Rileys" ist erfrischen realistisch, was sich besonders am Ende des Films wohltuend bemerkbar macht. Überhaupt wirkt nichts an dem Film gekünstelt oder gestellt, was ihn nachvollziehbar und leicht zugänglich macht. Einzig ein wenig Geduld sollte man mitbringen, da die Charaktere ein bisschen Zeit brauchen, bis sie sich voll entfaltet haben und Scott seine Geschichte erzählt hat. Dabei hat er zwar einige Filmminuten etwas übermütig verpulvert, langweilig oder zäh wird es deshalb aber glücklicherweise nicht mit den Rileys. "Willkommen bei den Rileys" ist ein schöner Film, der seine Wahrheiten unprätentiös, aber nachdrücklich serviert. Die Charaktere haben Ecken und Kanten, an denen sie sich zuweilen reiben und stoßen, was Scott realistisch in Szene setzt. Alles in allem ein ist "Willkommen bei den Rileys" großes Darstellerkino mit kleinen, verzeihbaren Macken, der in 90 Minuten noch besser gewirkt hätte als in den 110, die Scott hier veranschlagt hat. Nichtsdestotrotz ist der Film schlicht und ergreifend gut gelungen, deshalb auch gerne vier von fünf Reisen nach New Orleans, die das ganze Leben verändern können.