Das war eine in vielen Hinsichten unterhaltende Lektüre. Von Ulla Meinecke hatte ich keine Ahnung. Sie möge mir verzeihen, dass ich Ihre Texte und Lieder nicht kenne. Aber dafür habe ich ja jetzt ihr Buch gelesen, in mehreren Etappen, an verschiedenen Örtlichkeiten und in verschiedenen Stellungen. Den ersten Teil, "Der Kosmos der Chaotiker", begann ich liegend, im Bett. Doch nach ein paar Seiten liess die Aufmerksamkeit jeweils nach. Ich hatte das Gefühl, mich aus einer zu langen Kolumne befreien zu müssen. Ulla Meinecke Sprache im ersten Teil ist mir zu journalistisch, zu witzig und zu rasant. Die Lösung kam zufällig, als ich das Buch dorthin mitnahm, wo ich sonst nur Zeitschriften und alte Comics lese. Uns siehe da, die Abwehr war weg. Ein paar Seiten begleitend lesen, dann auf die nächste Kolumne warten. Hat Spass gemacht, spannende und unterhaltsame Charakterstudien in geschliffener Sprache. Den kleinen Ratgeber am Schluss des ersten Teils mochte ich weniger.
Den zweiten Teil, "Das kommt schon in Ordnung",las ich dann am Schreibtisch, mit dem Rotring 0.5mm in der Hand und dem schwarzen Notizbuch vor mir. Hier war nicht mehr die Kolumnistin am Werk, sondern eine sehr sensible, klare und manchmal lächelnde Gesprächspartnerin. Sie sagte mir, dass ich das meiste schon richtig mache, meine chaotischen Seiten und Eigenheiten durchaus wieder mehr ausleben dürfe. Oder einfach aufmerksam darauf achten solle, was dem eigenen Wesen entspricht. Eine der wenigen Formen von Ratgeber, von denen ich ein paar Gedanken, Anregungen und Erinnerungen aufnehme. Sehr wohltuend. Ein musikalisch leichter, aber glasklarer Text über die Kunst, sich weniger irgendwelchen Idealen anzupassen. Nie moralisierend, nicht im Namen einer anonymen Instanz fordernd, sondern einfach als Angebot gedacht. Fand ich wieder mal sehr schön nach all dem Belehrenden der meisten Lebensratgeber. Um deren Existenz kümmert sich das wirkliche Leben ja herzlich wenig.
Mein Fazit: Ein Buch, das mir in seinen beiden Teilen sehr unterschiedlich begegnete. Der erste Teil hatte mit schrägen Vögeln zu tun, der zweite mit mir. Bücher sind ja auch da, um sich in seiner Art bestätigt zu fühlen. Klar können sich Chaotiker ihr Leben durch einige Veränderungen leichter machen. Aber die treten eher ein, wenn man sich weniger an die Vorstellungen anderer anpasst. Ulla Meinecke hat dazu eine gute Geschichte bereit.