Vor 30 Jahren habe ich die Mumins das erste Mal gelesen. Und nun, nach erneuter Lektüre, stelle ich fest: Man hat mir etwas gestohlen. Als Kind war ich zutiefst beeindruckt von der dräuenden Kometengefahr und der tollen Atmosphäre im Mumintal. Jetzt, als Erwachsener, sehe ich, wie einfach diese Geschichten sind, und wie wenig sie mich als Erwachsenen mitreißen können. Man hat mir offensichtlich beim Erwachsenwerden die Begeisterungsfähigkeit geraubt, und das in dieser Form vorgeführt zu bekommen, empfand ich als sehr traurig.
Die vorliegende Arena-Ausgabe enthält die zwei Geschichten "Mumins lange Reise" und "Komet im Mumintal". Die erste Geschichte ist noch recht einfach gehalten und nimmt ca. 1/3 des Buches ein. Obwohl bereits die Grundlagen für die Muminwelt gelegt werden (Hemuls, Schnupferiche und Hatifnatten tauchen auf), ist das eigentlich nur ein Vorgeschmack, da die Mumins selbst nur wenig charakterisiert sind. "Komet im Mumintal" tritt dann ganz anders auf: Voller Sense of Wonder werden hier Schatzsuchen, Höhlenentdeckungen, Bergbesteigungen und Kämpfe gegen wilde Pflanzen beschrieben.
Die Illustrationen, die vom Text umflossen werden, sind allerliebst und stellen die Abenteuer sehr schön dar. Sie sind meines Erachtens sehr wichtig für den Text und erzeugen viel Atmosphäre. Gerade bei "Komet im Mumintal" sind sie brilliant und ich sehe noch vor mir, wie der Schnupferich auf Stelzen durch die Vulkanlandschaft stapft.
Das Buch ist zwar auch sonst schön gestaltet, wenn auch etwas spartanisch ausgestattet. Das schöne Cover lenkt von der dürftigen Zusatzausstattung (es gibt kein Vor- oder Nachwort, die Geschichten sind einfach nacheinander abgedruckt ohne Trennung) etwas ab. Für ein Kinderbuch reicht das aber wohl auch und ich werte das daher nicht als Nachteil. Ich als erwachsener Leser hätte aber gern ein Vorwort o.ä. gesehen, gerade was die Neuübersetzung angeht (die schon den Euro als Währung im Mumintal hat).
Wer die Geschichten nicht schon als Kind gelesen hat, wird kaum den Zauber nachvollziehen können, dem man als Kind verfällt, wenn man diese Geschichten liest. Deshalb: Wer seinem Kind diese Geschichten vorenthält, nimmt ihm etwas.