Shatners Ruf ist durch seine Rolle des Kirk reichlich angekratzt, nicht zuletzt durch die massiven Angriffe seiner Kollegen. Über ihn kursieren so viele Gerüchte wie über kaum einen anderen Star der Unterhaltungsbranche, viele davon abscheulich, und so manch einer lässt kein gutes Haar an ihm. Andere vergöttern ihn bis hin zur Absurdität, und der Mensch, der hinter alle dem steht, ist längst in Vergessenheit geraten. Ein von Vorurteilen jeder Art bestimmter Ruf eilt seiner Person voraus; die Chance, als er selbst gesehen zu werden, hat er schon lange nicht mehr.
Dieses Buch zeigt den wahren Menschen hinter dem scheinbar egozentrischen Entertainer, dessen Leben auf der Bühne stattfindet und den doch kaum jemand kennt. Es ist das einfühlsame Porträt eines unbedarften jungen Mannes, der auf dem Weg durch den Haifischteich Hollywood sich selbst verloren hat und dessen manchmal abgefahrenes Gebaren nichts weiter ist als der Hilferuf einer verwundeten Seele.
Dennoch, wer jetzt ein sentimentales Rührstück befürchtet, kann beruhigt werden. Shatners Biographie ist keine Arie des Selbstmitleids, keine Anklage an sein durch Schicksalsschläge bestimmtes Dasein, sondern eine kritische, ironische, ehrliche und humorvolle Selbstreflexion, die dem Leser manch überraschenden Einblick beschert. Es liest sich so spannend wie ein guter Roman, und jedes Kapilel bietet neue "Das hätte ich aber nicht gedacht!"-Momente.
Wer Shatner nicht mag, wird sicher auch hier wieder Grund zum Meckern und Lästern finden, aber daran dürfte man schon gewöhnt sein. Wer dieses Buch liest, wird ihn so zu Gesicht bekommen, wie er ist, nicht als den, der gerne aus ihm gemacht wird. Weder Held und Heiliger noch Ungeheuer, sondern einfach ein Mensch, der seinen Weg gehen muss und ihn mutig beschreitet, wohin er auch führt.
Shatner greift bisher völlig unbekannte Phasen seines Lebens auf, schreibt diesmal über sich und sein Leben, privat wie beruflich, und vermeidet dabei den Fehler, es allen Recht machen zu wollen, wie es bisher der Fall war, wenn er über Star Trek geschrieben hat. Das hat er nicht mehr nötig. Seine Autobiographie ist ein behutsamer Befreiungsschlag, der zeigt, wie sehr er die Nase voll davon hat, in eine Schablone gepresst zu werden. Und sie erklärt vieles, was bisher an seiner Person seltsam erschien, gibt aufschlussreiche Hintergründe, die sein ganzes bisweilen skurriles und aneckendes Verhalten in einem neuen Licht zeigen.
Selbst denken muss der Leser dabei schon ein wenig, denn Shatner liefert weder Rechtfertigungen noch verkriecht er sich in Ausreden. Daneben ist sein Werk liebenswert, ungekünstelt, direkt und erfrischend bodenständig. Wer Shatner kennenlernen und ihn besser verstehen möchte, sollte sich dieses Buch unbedingt kaufen.
(Einen Stern Abzug gibt es hier nur für den leicht unausgereiften, manchmal etwas lückenhaften und sprunghaften Schreibstil und die Tatsache, dass man sich bei der deutschen Übersetzung mehr Mühe hätte geben müssen. Ich habe beide Fassungen gelesen, und obwohl nichts verfälscht wird, kommt einiges nicht so rüber, wie es sollte.)