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Willenbrock: Roman
 
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Willenbrock: Roman [Gebundene Ausgabe]

Christoph Hein
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 319 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 1 (25. Juni 2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518411551
  • ISBN-13: 978-3518411551
  • Größe und/oder Gewicht: 20,9 x 13,4 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 187.299 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Christoph Hein
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Bernd Willenbrock ist Autohändler, genauer: Gebrauchtwagenhändler. Er ist das jedoch nicht freiwillig, denn damals, als es die DDR noch gab, hatte er einen angeseheneren Beruf. Da war er Ingenieur. Sein Laden läuft nicht schlecht. Und wo ein Geschäft floriert, da stellen sich Neider ein; und solche, die ernten wollen, wo sie nicht gesät haben: Autos verschwinden vom Hof, aber das ist erst der Anfang. Willenbrock muss erleben, dass Behörden versagen, dass die Täter, die seine Frau später überfallen, straflos nach Polen abgeschoben werden. Beschwerden bei der Staatsanwaltschaft werden zurückgewiesen. Da kommt ein russischer Stammkunde und verhilft ihm zu einem Revolver. Es ist der vorläufige Höhepunkt dieses Romans.

Christoph Hein, bereits mehrfach ausgezeichnet, legt in seinem Roman "Willenbrock" schichtweise die Wahrheit unter der Fassade der Gutbürgerlichkeit frei. Willenbrock überrascht einen Einbrecher, der mit einer Eisenstange auf ihn zukommt. Er schießt. Es geht auf Silvester zu. So kann er seiner Frau hinterher vorlügen, es seien Knaller gewesen. Aber die Spuren müssen getilgt werden. Hier unterläuft Hein ein Fehler: Revolver werfen beim Schuss keine Patronenhülsen aus, die zwecks Spurenvernichtung aufgesammelt werden müssen. Diese Passage passt zwar ins Bild, ist aber überflüssig. Nicht überflüssig ist dagegen die Geschichte in der Geschichte. Das Zerwürfnis mit seinem Bruder, der zu DDR-Zeiten mit einem Segelflugzeug über die innerdeutsche Grenze geflohen ist, was wiederum dazu führte, dass Willenbrock selbst nie wieder fliegen durfte. Das ist ungemein glaubwürdig und realistisch: die Sippenhaft nach erfolgter "Republikflucht" eines Familienmitgliedes. Der Roman ist ein spannender literarischer Beitrag zur Aufarbeitung der deutsch-deutschen Vergangenheit. --Corinna S. Heyn

Perlentaucher.de

Pressenotiz zu : Die Zeit, 21.06.2000
Der erste Eindruck, den man von Christoph Heins neuem Roman bekommen könnte, täusche. Die "genüssliche Langsamkeit" der Schilderung des Gebrauchtwagenhandels habe, so Rezensent Gustav Seibt, mit der Wiedergeburt des sozialistischen Realismus wenig zu tun. Sie bilde nur das beinahe beliebige Material, in das hinein Hein eines seiner typischen abstrakten Denkspiele inszeniere. Vom Gebrauchtwagenhandel führe der Roman über die Andeutung einer Kriminalhandlung zuletzt ins "Zeichenhafte und Allegorische ". Verhandelt werde die akute Bedrohung der Zivilisation durch Gewalt und Barbarei, die aus dem Osten kommen, und in der Figur eines waffendhändlerischen Russen satanisch-allegorische Gestalt werden. Gustav Seibt ist sich nicht sicher, wie wörtlich die Botschaft gemeint ist, findet aber viele lobende Worte für den Kunstverstand des Autors, die "düster-schwarze, kalt-glänzende" Poesie dieses Romans.

© Perlentaucher Medien GmbH

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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Michael Kohlhaas des Gebrauchtwagen-Handels, 20. Juli 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Willenbrock: Roman (Gebundene Ausgabe)
Bei Kleist handelt Michael Kohlhaas mit Pferden, Christoph Hein's Held Willenbrock mit Gebrauchtwagen in Ost-Berlin. Sein Geschäft floriert, besonders die Verkäufe in den Osten. Mit seiner kinderlosen Ehe kann er zufrieden sein. Seiner Frau finanziert er zur Selbstverwirklichng eine Boutique. Aber die Glücksträhne des einstigen DDR-Ingenieurs geht langsam dem Ende entgegen:

Autos verschwinden von seinem Hof, der Nachtwächter wird überfallen, sein Hund getötet, schließlich kommt Willenbrock beim Einbruch in sein Ferienhaus bei Usedom nur mit Not lebendig davon. Für ihn unbegreiflich werden die Täter, zwei junge Russen, kaum daß sie gefaßt sind, nach Osten abgeschoben. Willenbrock ist empört über die Laschheit des neudeutschen Rechtsstaats. So etwas wäre früher, jenseits der Mauer, nicht passiert oder anders geregelt worden. Bei Dr. Krylow aus Moskau, seinem besten Kunden, besorgt er sich einen Revolver. Beim nächsten Einbruch, in seinem Haus in Berlin, ist er gewappnet: Er überrascht den Täter, der mit einer Eisenstange auf ihn einschlagen will, und schießt. Nach dem Motto "Hilf dir selbst" hat Willenbrock das Recht in seine Hände genommen. Offen bleibt, wie stark der flüchtende Täter verletzt wurde.

Mit diesem vagen Ausgang endet ein Roman, in dem -wie bei Kleist- eine mittelgroße Störung des Normalen bei einem Durchschnittsbürger einen Prozeß in Gang setzt, der alle Kontrollen des Gewissens und der Vernunft außer Kraft setzt.

Man kann dem Roman sicher eine gewisse, vom Autor wohl gewollte Langatmigkeit und einen etwas spröden, bürokratischen Stil vorwerfen. Manches wie die Baufortschritte der Ausstellungshalle oder die Modenschau in der Boutique sollte man schnell überlesen. Angenehm ist, daß uns der Autor keinen weiteren Verlierer aus der einstigen DDR vorführt, sondern einen erfolgreichen Selfmade-Man, der trotz seiner Erfolge in der Marktwirtschaft dennoch immer wieder von den alten Zeiten eingeholt wird. Ein durchaus spannender und lesenswerter Roman.

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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Bildnis eines bürgerlichen Menschen, 6. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Willenbrock: Roman (Gebundene Ausgabe)
Bernd Willenbrock hat die Wende gut überstanden und nutzt die neu in Ost-Berlin eingezogene Marktwirtschaft durch einen Gebrauchtwarenhandel, der vor allem von Geschäften mit Osteuropa profitiert. Sein Büro liegt in einem Wohnwagen, doch am Ende des Romans wird eine eigene Verkaufshalle auf dem Grundstück stehen. Der Pole Jurek und nach einem nächtlichen Autodiebstahl auch ein Nachtwächter arbeiten für ihn, seine Frau Susanne betrügt der kinderlose Schwerenöter mit Margot, Rita oder Barbara, jungen Dingern, meist ehemaligen Kundinnen; mit der Studentin Margot fährt er unter dem Vorwand einer Schulungsfahrt in deren neuem Auto für ein Wochenende in sein Landhaus in Bugewitz, um sie zu verführen, in der Stadt hat er für seine Gespielinnen ein Hotelzimmer; seine Frau Susanne führt auf seine Kosten eine Boutique, die sich nicht rentiert: Bildnis eines bürgerlichen Menschen.

In der Mitte des Buches dann der dramatische Höhe- und Wendepunkt, der das Bild kräftig zum Wackeln bringt: Während eines Wochenendes in ihrem Landhaus, einem restaurierten Bauernhof, wird das Ehepaar Willenbrock von mehreren Russen überfallen. Willenbrock kann, aus dem Schlaf geschreckt, die Einbrecher zwar in die Flucht schlagen, wird dabei aber durch Schläge mit einem Metallstab verletzt. Die Polizei nimmt zwei Verdächtige fest. Wie Willenbrock später erfährt, werden sie trotz dringenden Tatverdachts abgeschoben und der Fall nicht strafrechtlich verfolgt. Willenbrock, bisher genügsam und ausgeglichen, verliert die Balance. Der zwielichtige Russe Krylow, einst in KGB-Diensten, heute ein Wende-Profiteur und Willenbrocks bester Kunde, schenkt ihm einen Revolver samt Munition, den der Geschäftsmann zunächst nur aus Höflichkeit annimmt. Als Willenbrock nachts auf seinem Berliner Grundstück erneut einen Einbrecher ertappt, der sich an seinem Wagen zu schaffen macht, schießt er auf ihn. Der angeschossene Einbrecher kann unerkannt entkommen. Seiner Frau Susanne verschweigt Willenbrock den Vorfall. Ihre Beziehung ist zudem gestört durch den Verdacht, dass sie ebenfalls eine Affäre haben könnte. Die Waffe wird für den Autohändler zur Manie. Da er sie niemandem zeigen kann, trägt er sie ständig in einer Aktentasche mit sich herum. Nach Zeitungsmeldungen über den verletzten Einbrecher sucht er vergeblich. Willenbrocks bürgerliche Existenz setzt sich am Ende fort wie ein Glas mit Sprung, das in den Schrank zurückgestellt wird, aber jederzeit zerbrechen könnte.

Mit diesem etwas unbefriedigenden Schluss endet Christoph Heins kurzer, aber kraftvoller Ausschnitt aus dem Leben eines Unternehmers im wiedervereinigten Deutschland. Die Figur des Bernd Willenbrock, dessen umfassendes Porträt Hein hier gezeichnet hat, ist im wahrsten Sinne des Wortes imposant und vermag zu fesseln. Hein nimmt sich viel Zeit, seinen Charakter zu entfalten, seine Lebenssituation zu schildern. Durch die vielen wie beiläufig eingestreuten Begegnungen mit seinen Beschäftigten, Handballkollegen, Geliebten, Verwandten, den Besuchern einer Mini-Modenschau in Susannes Boutique, einem Ex-Kollegen, der als Stasi-Spitzel entlarvt wurde, und Willenbrocks Umgang mit ihnen entsteht ein ziemlich vollständiges Bild des wendigen Unternehmers, seiner Schwächen und der leicht neurotischen Störung, die die Begegnung mit den Einbrechern auslöst, und deswegen funktioniert auch dieser im Grunde schlicht gestrickte und ganz um die Hauptfigur herum komponierte Roman, addieren sich ernst-dramatische und heiter-ironische Episoden (wie die improvisierte Modenschau mit einem Skandal-Posaunisten) zur durch und durch stimmigen Studie einer bürgerlichen Existenz der Nachwendezeit. Ständig hatte ich, ohne den Film von Andreas Dresen zu kennen, Axel Prahl vor Augen, sicherlich die ideale Besetzung für Willenbrock.

Sprachlich zeigt sich Christoph Hein hier eher als solider Arbeiter denn als brillanter Formulierkünstler. Die Sprache ordnet sich spürbar der Handlung unter, mitunter holpert sie auch: Konjunktive I und II werden in Indirekte-Rede-Passagen ziemlich unsystematisch miteinander vermengt. Ein guter Lektor hätte hier geglättet. Die lamentable Leistung des Lektorats lässt sich auch daran erkennen, dass sich im Buch Dutzende Rechtschreib- und Interpunktionsfehler finden. Mehrfach werden "ss" und "ß" verwechselt, mindestens zweimal stimmen Satzstrukturen nicht. Das darf einem Verlag wie Suhrkamp eigentlich nicht passieren.
Trotz solcher Defizite ein alles in allem empfehlenswerter Nachwenderoman, der allerdings das Niveau von Christoph Heins Landnahme über eine "DDR"-Karriere nicht erreicht.
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4.0 von 5 Sternen Vom pazifistischen Müßiggänger zum Verfechter der Selbstjustiz, 22. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Willenbrock: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die Geschichte eines Autohändlers, dessen Welt, nach einem Überfall in seinem Sommerhaus, aus den Fugen gerät. Willenbrock wandelt sich für ihn selbst nahezu unmerklich vom pazifistischen Müßiggänger zum Befürworter der Selbstjustiz. Heins Erzählstil ist auch in diesem Roman von einer Leichtigkeit, die nur große Erzähler ihr eigen nennen können. Trotzdem gelingt es dem Autor nicht immer, auch dem geneigten Leser immer an das Buch zu fesseln, zu behäbig ist zum Teil der Fortgang der Geschichte.
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