Der Wille meines Vaters geschehe"
Ein Buch, welches jahrelang in meinem Regal stand - ungelesen.
Ein Geburtstagsgeschenk, was überhaupt nicht dem Lesestoff entsprach,
den ich sonst konsumiere.
Vor 7 Tagen fiel es mir in die Hände - heute habe ich die letzten
Seiten gelesen.
Fazit: Empfehlenswert.
Der Sprachstil ist gewöhnungsbedürftig.
Was das Buch ausmacht ist die Tatsache, dass es reale Erlebnisse einer Frau aus Kamerun schildert.
In einfachen Worten, recht nüchtern, dafür umso intensiver.
Man liest und denkt: Oh mein Gott...wie grausam / unvorstellbar, was
diese Frau ertragen musste.
Die "Story":
Junge Frau , mitten in der Ausbildung, wird schwanger. Ungewollt. Unehelich.
Der Erzeuger steht zu ihr und dem Kind, baut sich eine Existenz auf, will Mireille
heiraten. Die glückliche Zukunft der beiden scheitert am Traditionsbewusstsein des Vaters: Seine Tochter MUSS einen Mann aus seinem Heimatdorf heiraten.
Durch einen Zufall "findet" sich eben dieser, die Hochzeit wird arangiert und damit beginnt das Martyrium der jungen Frau aus Kamerun, die von nun an dem egozentrischen,dominanten Mann körperlich und seelisch "ausgeliefert" ist.
Bewundernswert: Sie verliert weder ihren Stolz noch ihren Eigensinn. Ordnet sich nicht unter.
Trotz Schlägen, Vergewaltigung, Fehlgeburt, Krankheit, Demütigung.
Sie sucht Hilfe. Scheitert. Versucht es immer und immer wieder. Und hat Erfolg.
Die Wirkung des Buches ist erstaunlich. Obwohl einfach geschrieben, baut der Leser sofort eine Beziehung zur "Protagonistin" auf.
Fühlt und leidet mit ihr.
Schüttelt den Kopf vor Verwunderung ob (vor allem uns Europäern) unverständlichen traditionellen Zwängen und Riten.
Das Buch hat "Schlüsselloch-Charakter". Es gewährt einen kleinen Einblick in ein afrikanisches Leben. Und: Es regt zum Nachdenken an.
Wie beeinflussen Tradition und Gesellschaft unser Leben?
Was hätte man selber getan, wenn man an Mireilles Stelle gewesen wäre?
Aus meiner Sicht: empfehlenswert.
Kein literarisches Highlight (wenn man es so nennen will), aber eine interessante und bewegende Lektüre.