Das Buch von Goldner mit den hervorragenden Beiträgen über Hellinger war längst fällig. Ich habe mich besonders darüber gefreut, dass gerade auch die irrwitzigen Statements von Hellinger zu Fragen der Politik und Geschichte entlarvt und offen auf den Tisch gelegt werden. Vor allem zum Holocaust gibt es von Hellinger ja die zynischsten Glaubensbekenntnisse. Beispielsweise setzt Hellinger die Studenten der Weißen Rose, die Geschwister Scholl, einer Mafiagruppe gleich - sie hätten sich gegen eine Gruppe gestellt, weil sie in einer anderen gebunden waren. Er sagt: "Die von der Weißen Rose haben Glück gehabt, dass das Regime zusammengebrochen ist. Jetzt sind sie die großen Helden. Hätten die Nazis gesiegt, wären sie die Verbrecher geblieben. Das ist der ganze Unterschied von Gut und Böse."
Hellinger sagt auch: "Philosophisch oder theologisch gesehen ist es nicht denkbar, dass je-mand durch sein Verhalten aus der Ordnung herausfällt. Der Einzelne kann sich seine Rolle nicht aussuchen, und im gesamten ist sein Verhalten sinnvoll." Dieses Denken, bezogen z. B. auf einen KZ-Arzt wie Mengele, heißt: "Philosophisch oder theologisch gesehen ist es nicht denkbar, dass Mengele durch sein Verhalten aus der Ordnung herausfiel. Er konnte sich seine Rolle nicht aussuchen, und im gesamten war sein Verhalten sinnvoll."
"Bei Traumata" - auch das sagt Hellinger - "oder wenn es etwas Schlimmes gab, wird meistens das Wichtigste vergessen, nämlich, dass es gut ausgegangen ist."
Hellinger-Adepten wie Adamaszek sprechen gar davon, dass "der Wert seiner (Hellingers) Einsichten Einfluss auf zukünftige Lösungen von Problemen nicht nur der Psychotherapie, sondern auch des Gesundheitswesens überhaupt, des Bildungs- und Rechtswesens sowie der Politik gewinnen werden" (M.E.G.a.Phon 23/1996).
Ich hoffe doch sehr, dass es niemals zu solch verbrecherischen Einflüssen kommt.
In Rastede (bei Oldenburg) gibt es mittlerweile die Kleeblattklinik unter der Leitung von Dr. Friedrich Ingwersen, in der Hellingers Ansichten über die Unschuld der Täter und Verbrechen der Opfer bereits verordnet und von den Krankenkassen bereitwillig abgerechnet und bezahlt werden.
Ich hoffe sehr, dass Goldners Buch großen Einfluss gewinnt - z. B. wieder selbst zu denken, anstatt sich von Hellinger & Co denken zu lassen. Jeder Mensch ist verantwortlich für das, was er tut, und jeder Mensch kann sich täglich für oder gegen etwas entscheiden. Ich werde für Goldners Buch intensiv und vor allem auch offensiv werben.