Außer Hugo Pratt (siehe Band 11) hat wohl niemand so viel für den anspruchsvollen Comic geleistet wie Will Eisner. Kein Comic war tatsächlich so nah dran am Roman wie seine Werke, thematisch und in der Erzählweise.
Die Betitelung des Bandes "Will Eisner" könnte in diesem Fall auch "Zum Herzen des Sturms" heißen, denn dieser Roman Eisners macht 200 von 250 Seiten auf. In der autobiografischen Erzählung kann man fabelhaft erkennen, dass Eisner sowohl die herausragende Aspekte des Comicromans als auch der Graphic Novel mühelos umsetzen konnte. Seine schwarz-weißen Bilder sind nicht in einheitlichen Größen, sondern werden von ihrer inhaltlichen Relevanz bestimmt. Oft löst er die Seitenränder der einzelnen Bilder komplett auf. Zudem bedient er sich literarischer Mittel, schildert zum Beispiel im Laufe der Geschichte in Rückblenden die Geschichte seiner Eltern, die dadurch von der Haputhandlung zu unterscheiden ist, dass sie statt weißem auf schwarzem Bildhintergrund gezeichnet ist.
"Zum Herzen des Sturms" zeigt aber auch das Problem Eisners: Als Autor ist er über die Zweifel erhaben. Aber wer seine Geschichten näher kennt stellt fest, dass bei ihm alle Figuren irgendwie immer gleich aussehen, unabhängig davon, ob es sich um eine lustige, traurig oder superheldige Geschichte handelt. Und so verhindern leidern die übertrieben theatralischen Gesichtszüge der Protagonisten, das man wirklich mit ihnen mitfühlen kann.
Ansonsten erhält dieser Band noch ein sehr informatives Vorwort und vier Geschichten von Eisners Heldencomic "Der Spirit". Die erste erzählt die Enstehung des Spirits, die beiden folgenden Geschichten aus den späten 40ern können weniger überzeugen (verglichen mit dem Standard den die Serie nach ihrer Rückkehr in den 60ern setzte), die Vierte ist triumphal und nebenbei auch die letzte Arbeit, die Eisner vor seinem Tod gezeichnet hat: "Der Spirit und der Escapist", eine selbstironische, visuell brillante Reflexion über den Sinn und Zweck eines Superhelden.
Alles in allem ist dieser Band eine gute Investion. Ein echter Eisner für'n Fünfer, das ist schon was und macht sich gut im Regal, da der Mann auch von Menschen geschätzt wird, die Comics sonst nicht mit der Kneifzange anfassen.