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Wilhelm Meisters Lehrjahre [Taschenbuch]

Johann Wolfgang von Goethe
3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

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Wie lebendig Goethes Wilhelm Meisters Lehrjahre, dieser erste Bildungsroman, noch immer ist, das zeigt Angela Gerrits in ihrer Hörspielbearbeitung. Wilhelm will auf dem Theater sein Glück suchen und seine erste Liebe heiraten. Aber jung und unerfahren wie er ist, kommt alles ganz anders. Er muß erkennen, daß seine Freundin ihn betrügt. Enttäuscht will er nichts mehr von Frauen wissen und kehrt auch der Dicht- und Schauspielkunst den Rücken. Da bekommt er plötzlich ein Schauspielengagement und als er bei einem Überfall verletzt wird, rettet ihn eine unbekannte Schöne.

Diese Schöne geht ihm nicht mehr aus dem Kopf. Er verschreibt sich dem Theater, doch bald veranlaßt ihn die rätselhafte Bekanntschaft der Gesellschaft des Turms, dem Theater zu entsagen. Kunst oder nicht Kunst, Frauen oder nicht Frauen, Verantwortung, Gefühl, Verstand. Wilhelm ist hin- und hergerissen zwischen den festen Vorsätzen, die er sich immer wieder auf's neue für sein Leben zurechtlegt, und den unvorhergesehenen Ereignissen, die immer wieder alles ins Wanken bringen. Als er erfährt, daß all diese Wirrungen von der Gesellschaft des Turms gesteuert waren, will er sich empört abwenden. Doch da taucht plötzlich die schöne Unbekannte wieder auf...

Bei einer Hörspielbearbeitung das Richtige wegzulassen, ohne zuviel abzuschneiden vom Eigentlichen, ist eine Kunst für sich. Die Autorin Angela Gerrits hat diese komplizierte Aufgabe "gemeistert" und diesen komplexen Text, der sowohl Theaterroman als auch Liebes-, Bildungs-, Entwicklungs- und Abenteuerroman ist, zu einem quirligen, spannenden Hörspiel zusammengekürzt. Die hohe Qualität dieser Aufnahme zeigt sich ebenfalls an der ausgesuchten Besetzungsliste (exzellent Bastian Trost als Wilhelm und Anna Thalbach als Mignon). Das ist ein Hörbuch gerade auch für diejenigen, die sich noch nicht so häufig mit Goethe und seinen Werken befaßt haben. Nach dem Genuß von nahezu 3 Stunden Wilhelm Meister hat man durchaus Lust auf mehr. --Anne Hauschild -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Rezension

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Wilhelm Meisters Lehrjahre –Wilhelm Meisters Wanderjahre
OA 1795/96; 1821, 1829 Form Roman Epoche Klassik
Der erste Teil repräsentiert den Roman der deutschen Klassik im Typus des Bildungsromans (Stichwort R S. 404), wie er von Goethe und Christoph Martin R Wieland geschaffen wurde und behandelt die paradigmatische innere Entwicklung eines Individuums sowie dessen geistige Bildung. Der zweite Teil stellt ein offenes Erzählkonzept in Goethes Altersstil dar, in dem die Lebenserfahrung und das Weltbild des Protagonisten erweitert wird.
Entstehung: Seit seiner Berufung nach Weimar bis 1786 hatte Goethe an einer ersten Fassung des Romans gearbeitet, deren Torso später als Wilhelm Meisters theatralische Sendung herausgegeben wurde. Im Austausch mit R Schiller gelang ihm 1794–96 schließlich die Vollendung der Lehrjahre, die in vier Bänden erschienen. Schon der übertragen zu verstehende Titel versprach eine Weiterführung, die Goethe allerdings erst 1821 – und dann in einer endgültigen Version 1829 veröffentlichte.
Inhalt: Der Kaufmannssohn Wilhelm Meister, der mit der Schauspielerin Mariane ein Verhältnis hat, wird von ihr betrogen, aber auch zu einer Theaterlaufbahn motiviert. Nach Jahren verlässt er seine Heimatstadt und schließt sich einer Komödiantentruppe um den Akteur Melina an. Die erotische Attraktion der leichtsinnigen Philine beeindruckt ihn ebenso wie das schwermütige, männlich gekleidete, letztlich lebensunfähige Mädchen Mignon und ein unter alter Schuld leidender Harfner. Als die Truppe zum Gastspiel auf ein Grafenschloss geladen wird, lernt Wilhelm nicht nur eine schöne Gräfin, sondern auch den Theaterdirektor Serlo und dessen überspannte Schwester Aurelie kennen. Man will R Shakespeares Hamlet (um 1600) aufführen. Wilhelm studiert den Autor gründlich und spielt die Titelrolle, dann zersprengt der Brand des Theaters vorerst die Schauspieler.
Wilhelm soll Lothario aufsuchen, den untreuen Liebhaber der sterbenden Aurelie. Die eingefügten Bekenntnisse einer schönen Seele setzen eine Zäsur. Dieses Manuskript bleibt zunächst rätselhaft, entpuppt sich nachher als Aufzeichnung einer Verwandten der Schlossbewohner, auf deren Schicksal die »schöne Seele« Einfluss genommen hat. Wilhelm lernt zu seiner Überraschung in Lothario und seinen Geschwistern aktive, verantwortungsbewusste, aufgeklärte Adlige kennen, die eine »Turmgesellschaft« bilden. Ihr Ziel ist es, im Hintergrund Gutes zu wirken und Menschen mit reicher Anlage wie Wilhelm zur Selbstfindung anzuleiten. Viele der Personen sind ihm schon zuvor begegnet, der ernste Jarno, der Abbé, vor allem aber eine schöne Reiterin namens Natalie, die den Reisenden gepflegt hat, als er Opfer eines Überfalls geworden war. Sie wird Wilhelms Frau, während er in dem Knaben Felix den Sohn seiner frühen Liebe Mariane findet.
Da Wilhelm im Turm einen Lehrbrief erhält, möchte man seinen Weg als Ausbildung in Stufen begreifen, die ihn von der Theaterleidenschaft weglenkt hin zu praktischer Verantwortung in der Gesellschaft. Als Ideal scheint am Schluss die Selbstfindung, das Übernehmen von Verantwortung und eine Harmonie zwischen den Geschlechtern zu stehen. Bildung aber erscheint auch als Produkt einer Risikobereitschaft des Protagonisten.
Wilhelm Meisters Wanderjahre trägt den Untertitel die Entsagenden. Von ihnen, d.h. der Turmgesellschaft, ist Wilhelm verpflichtet worden, gemeinsam mit seinem Sohn Felix, den er später einer »Pädagogischen Provinz« anvertraut, auf Wanderschaft nie mehr als drei Tage an einem Ort zu verbringen. In einer typisierten Landschaft lernt er Orte, Menschen und Berufe kennen, wird in Beziehungen verwickelt. Figuren aus dem ersten Teil begegnen ihm wieder, nunmehr stark allegorisiert, so taucht u. a. Jarno jetzt unter dem Namen »Montan« auf. Handwerklichen Beschäftigungsprojekten in der Heimat steht eine Gruppe von Auswanderern um Lothario gegenüber, die der vom Wandergebot entbundene, zum Wundarzt ausgebildete Wilhelm begleiten wird, der seine Kunst sogleich am verunglückten Felix beweisen kann. Nicht mehr das Ich, sondern der Ausgleich gesellschaftlicher Interessen in der Ära beginnender Industrialisierung steht im Zentrum des Werks.
Aufbau: Die acht Bücher der Lehrjahre, homogen mit wenigen Lyrikeinlagen, schildern Wilhelms Jugendliebe (1), seinen Auszug in die Welt (2), den Aufenthalt im Schloss (3), die Reise zu Serlo (4), die Hamlet-Aufführung (5), die Bekenntnisse (6), das Kennenlernen der Turmgesellschaft (7) und den Abschluss der Handlungsstränge mit der Auflösung vieler Rätsel (8).
Die Wanderjahre erscheinen harmonisch in drei Bücher gegliedert. Diese sind jedoch durchsetzt mit Novellen wie Das nussbraune Mädchen oder Der Mann von funfzig Jahren, mit Briefen und Tagebuchaufzeichnungen sowie Aphorismensammlungen. Der Erzähler greift stark ein; Topografie und Details von Personen, Gebäuden, Kunstwerken erscheinen extrem symbolisch.
Wirkung: Die junge Generation um die Brüder August Wilhelm (1767–1845) und Friedrich Schlegel (1772–1829) propagierte Wilhelm Meisters Lehrjahre wegen seiner Universalität und Vielgestaltigkeit sogleich als Muster des romantischen Romans. R Novalis, der bewusst und im Gegensatz zu Goethe am Ideal des Poetischen festhielt, bezog sich mit dem Heinrich von Ofterdingen (1802) auf das Werk, das auch großen Einfluss auf Der junge Tischlermeister (1836) von Ludwig R Tieck und Der Nachsommer (1857) von Adalbert R Stifter ausübte.
Wilhelm Meisters Wanderjahre, der keine ganzheitliche Romanhandlung bietet oder den Vorgängerroman steigernd fortsetzt, traf auf Enttäuschung und Unverständnis; selbst die Literaturwissenschaft ist seit langem um eine Rechtfertigung bemüht, und sei es durch den Nachweis verschiedenster Konzepte von moderner Offenheit. A. H. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Buchrückseite

»Bei jetziger Wiederlesung meines Romans hätte ich fast zu mir selbst wie einst zu Ariosto der Kardinal von Este sagen mögen: Meister Ludwig, wo, Henker, habt Ihr all das tolle Zeug... hergenommen? Der Meister belegt, in welcher entsetzlichen Einsamkeit er verfaßt worden, bei meinem stets aufs Allgemeinste gerichteten Streben. Wilhelm ist freilich ein armer Hund, aber nur an solchen lassen sich das Wechselspiel des Lebens und die tausend verschiedenen Lebensaufgaben recht deutlich zeigen, nicht an schon abgeschlossenen, festen Charakteren.«
Goethe zu Friedrich von Müller -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Über den Autor

Johann Wolfgang von Goethe geboren am 28.8.1749 in Frankfurt a.M., gestorben am 22.3.1832 in Weimar. Jurastudium in Leipzig und Strassburg. Lebenslanges Wirken in Weimar. Reisen zum Rhein, nach der Schweiz, Italien und Böhmen. Frühe Erfolge mit den Sturm und Drang-Stücken 'Götz' und 'Werther', Gedichte (herrliche Liebeslyrik), Epen, Dramen ('Faust', 'Tasso', 'Iphigenie' u. v. a.), Autobiographien. Zeichner und Universalgelehrter: Botanik, Morphologie, Mineralogie, Optik. Theaterleiter und Staatsmann. Freundschaft und Korrespondenz mit den grössten Dichtern, Denkern und Forschern seiner Zeit (Schiller, Humboldt, Schelling . . .). Goethe prägte den Begriff Weltliteratur, und er ist der erste und bis zum heutigen Tag herausragendste Deutsche, der zu ihren Vertretern gehört.
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