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5.0 von 5 Sternen
Einer der ganz großen Romane der Weltliteratur!, 25. November 2006
Rezension bezieht sich auf: Wilhelm Meister: Die Lehrjahre / Die Wanderjahre (Gebundene Ausgabe)
Lange Jahre war es nicht möglich, zu einem günstigen Preis eine Komplettausgabe der Wilhelm-Meister-Romane zu kaufen. Auch in mancher Goethe-Werkauswahl wurden die "Lehrjahre" und die "Wanderjahre" auseinandergerissen, obwohl erst der Gesamtzusammenhang die Geschichte richtig zu Geltung bringt. Ich las die Bücher erstmals am Ende meiner Teenagerzeit und wollte sie gern haben, dieses kleine dicke Buch mit festem Einband habe ich mir kurz nach Erscheinen gleich gekauft.
Es geht um die Selbstfindung romantisch veranlagter Menschen in Deutschland und Italien zur damaligen Zeit, die kultivierte Sprache ist über jeden Zweifel erhaben. Die Handlung ist gut nachvollziehbar, die Personen kann man schnell kennenlernen und kaum verwechseln. Nur für Leute geeignet, die auch mal ein paar Seiten ohne Krimispannung und Klamauk lesen können. Von der Titelgestalt her eng verwandt ist Eichendorffs "Aus dem Leben eines Taugenichts", ein dünneres Büchlein mit weniger Philosophie.
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5.0 von 5 Sternen
Goethe wunderbar, Amazon Produktbeschreibung abschreckend!, 24. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Wilhelm Meister: Die Lehrjahre / Die Wanderjahre (Gebundene Ausgabe)
Goethes Werk ist der Höhepunkt der Weltliteratur. Dies zeigt Wilhelm Meister eindrücklich. Schlicht falsch ist die Produktbeschreibung von Amazon. Napoleon hatte den Werther sieben Male gelesen und immer als Vademecum bei sich. Fazit: Goethe großartig, Amazon schlampig.
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2.0 von 5 Sternen
Die ganze Welt von anno dannzumal, 24. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Wilhelm Meister: Die Lehrjahre / Die Wanderjahre (Gebundene Ausgabe)
Ehrgeiz und Absicht - einen Total- resp. Universalroman zu schreiben hat den beiden Teilen nicht gut getan. Es wäre möglich, einen Roman über die Baumwollwirtschaft im 18. Jhd. zu schreiben, aber das trocken und von der Romanhandlung losgelöst zu präsentieren ist erstens verräterisch - von allem muss geredet werden - und zweitens langweilig. Anderseits ist das Viele, das die Romanhandlung unterbricht und häufig nur notdürftig mit dieser verbunden ist, das Beste in diesem grossen Text. Die Biographien im ersten und die Novellen im zweiten Teil sind meist interessant und gut zu lesen.
Im Roman gibt es diese Superwoman Makarie. Ganz am Schluss wird deren Universum anhand von Merksprüchen und Sentenzen aufgeschlüsselt: Die Superwoman zerbröselt in ein zeitgebundenes, kümmerliches Sammelsurium zusammengekratzter Halbweisheiten. Diese Zeitgebundenheit ist überhaupt ein Problem: Die pädagogische Provinz, die zweimal besucht wird, ist eine verquere Zwangsanstalt, die nach den Erfahrungen der Weltkriege unlesbar geworden ist. Die Romane sind voll mit komischen Aspekten. Die Astronomie erscheint komplett überhöht. Die Geschichte von Mignon wird in drei weitauseinanderliegenden Etappen erzählt, abgesehen davon, dass ihre Herkunft bestens für eine Soap verwendet werden könnte, komplett mit Inzest und Priesterschwängerung. Warum die Turmgesellschaft, die Wilhelm den Lehrbrief ausstellt, diesem Wilhelm im Verborgenen immer gefolgt ist, findet keine Erklärung. Die Törin kasteit sich, um die Untreue ihres Freundes abzubüssen. Und unsere Hauptperson wird ganz am Rande und aus dem Blauen noch Wundarzt, gerade Wundarzt, wo die doch damals noch gar nichts zu wissen hatten. Da die goethesche Weisheit darin besteht, die Welt hinter sich zu lassen, müssen alle entsagen, so dass z.B. im Mann von fünfzig Jahren", wo zwei Paare aufgegleist werden, von denen keines zustande kommt. Und dann die vielen ausgelegten Fäden, die ein paar hundert Seiten weiter hinten in einem Nebensatz aufgelöst werden! Hat der Autor wirklich geglaubt, die Leser würden ihm in kompletter Hingabe und in unendlicher Aufmerksamkeit folgen, z.B. in die Baumwollwirtschaft oder in diesen halbreligiösen Makarie-Schabernack?
Grössenwahn wohin man blickt! Es ist leichter, die kleinen Sachen von Goethe zu lesen, zum Beispiel die Wahlverwandtschaften", die er ernsthaft auch noch in den Wilhelm zu integrieren dachte, aber glücklicherweise davon absah.
Wenn man an Tolstois Anna denkt, den Mann ohne Eigenschaften oder Dostojewkjis Grossromane, dann erscheint der Meister-Roman als zerfurcht, zerfasert und zerfallen. Er könnte als historisches Dokument gerettet werden, aber als Literatur für Leser ist er gescheitert.
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