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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
35 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der letzte Deutsche Kaiser,
Rezension bezieht sich auf: Wilhelm II.: Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers (Gebundene Ausgabe)
Das neue Buch von Christopher Clark befasst sich mit dem Leben und Wirken des letzten Deutschen Kaisers. Es beginnt mit der schwierigen Kindheit, in der die zwei politischen Lager der Hohenzollern (liberal/probritisch und konservativ/prorussisch) versuchen, Einfluß auf Wilhelm zu erlangen. Es folgt die frühe Thronbesteigung im Alter von 29 Jahren. Wilhelm versucht in dieser Anfangszeit seiner Herrschaft mehr Einfluss auf die deutsche Politik zu gewinnen. Dabei stehen ihm sowohl die dezentrale Reichsverfassung, als auch mächtige Gegenspieler im Weg (Berater, Regierungsbeamte, Reichstag, Parteien usw.).Clark erzählt wie der Kaiser erst infolge der Kollerkrise 1895 mehr Einfluss auf die Politik gewinnt und diesen Einfluss durch die Daily Telegraph-Affäre 1908 wieder verliert. Dabei geht Clark insbesondere auf andere Historiker ein (Röhl, Gutsche usw.), die seiner Meinung nach hervorragende Quellen aufbieten, jedoch vergessen "...seine Äußerungen und Handlungen in den zugehörigen Kontext..." einzubetten. Clark geht auch auf den Ausbruch des Ersten Weltkrieges und dessen Vorgeschichte ein. Dabei stellt er fest, dass Wilhelm keinesfalls eine Allein- oder Hauptschuld am Ausbruch des Krieges trifft. Hauptverantwortlich seien die Russen und die Österreicher, sowie die Militärs auf allen Seiten, die schnelle Aktionen von den Regierenden forderten. Zweimal hatte Wilhelm sich sogar gegen seine eigenen Militärs gestellt und den Stopp aller Mobilmachungsvorbereitungen befohlen. Mit den Militärs hatte Wilhelm laut Clark ein unterkühltes Verhältnis, weil "...die hohen Militärs der Unentschlossenheit und Zögerlichkeit des Friedenskaisers nicht trauten." Noch am 28. Juli 1914 stellte Wilhelm fröhlich fest, dass "nun jeder Grund zum Kriege entfällt". Hier wird deutlich was Clark dem letzten Deutschen Kaiser u.a. vorwirft, nämlich ein schlechtes Urteilsvermögen. Der Bündnisautomatismus war zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr zu stoppen. In den folgenden Kapiteln geht Clark auf die Rolle des Kaisers während des Krieges, bei der Abdankung 1918 und auch auf die Zeit im Exil bis zum Tod ein. Zusammenfassend vertritt Clark die These, dass Wilhelm charakterlich (schlechtes Urteilsvermögen, taktlose Ausbrüche usw.) für sein hohes Amt nicht geeignet war, es jedoch falsch wäre, ihn als autokratischen Herrscher und Kriegstreiber darzustellen. Clark möchte "... Verunglimpfung und Verständnis wieder in ein angemessenes Verhältnis zueinander bringen." Das gelingt Clark meiner Meinung nach sehr gut. Die Herrschaftsstrukturen im Kaiserreich werden deutlich und insbesondere durch die Darstellung im Kontext von Zeit und Ereignissen kann man viele Ereignisse der damaligen Zeit (Krügerdepesche, Hunnenrede, Marokkokrise usw.) viel besser nachvollziehen, als es mir persönlich bei anderer Literatur bisher möglich war. Dazu kommt der angenehme Schreibstil von Christopher Clark, den man schon aus seinem "Preußen"-Buch kennt. Deshalb 5 Sterne! Kleiner Tipp: Wem das Buch gefällt, empfehle ich die DVD "Majestät brauchen Sonne". Ohne Übertreibung eine herausragende Dokumentation! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wilhelm II.,
Von
Rezension bezieht sich auf: Wilhelm II.: Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers (Gebundene Ausgabe)
Entgegen hier geäußerter Meinungen sei eindeutig gesagt: Clarks hervorragende Studie zu Deutschlands letztem Kaiser ist eindeutig geeignet, den schillernden, hochkomplizierten Menschen Wilhelm dem interessierten Leser ebenso nahezubringen, wie auch den ebenso schillernden Kaiser Wilhelm II., dessen großspuriges Benehmen oftmals den Menschen Wilhelm verdeckte. Wer ein leichtes Lesevergnügen in der Art der Zergliederung eines Menschen à la "'Deutschland sucht den Superstar'" erwartet wird freilich enttäuscht sein. Clark ist aber kein oberflächlicher Bohlen, der sich darauf versteht, Menschen mit unverschämten Bemerkungen hinzurichten, sondern ein Historiker, der es versteht aus den facettenreichen Fakten einer hochkomplizierten Zeit und einer ausgezeichneten Gesellschafts- und Politikanalyse das ebenso facettenreiche Bild eines Menschen zu zeichnen, der durch seine Geburt berufen war, Deutschland in einer schwierigen Zeit zu regieren und an sich, seiner Umgebung und den politischen Zuständen scheiterte, ohne allerdings auf allen Gebieten gleichermaßen zu versagen.Interessant ist ein Nebenkriegsschauplatz in diesem Werk: Der Wilhelm-Kenner Clark widerlegt an vielen Stellen sehr glaubhaft den anderen großen Wilhelm-Kenner John Röhl nachhaltig, ohne ihn und seine Leistung allerdings zu demontieren. Richtig und einzig begrüßenswert ist die Einordnung Wilhelms II. in einen größeren politischen Rahmen, um seine Verhaltensweise zu erklären, wo Röhl stets das Bild eines alleinverantwortlichen Alleinherrschers bemüht und sich so als Anhänger eines überholten Geschichtsbildes zeigt. Nicht ein Mann machte Geschichte, wie Röhl postuliert, sondern die Geschichte, neben vielen anderen Faktoren, formte einen Mann, der dann Geschichte schrieb. Fazit: Eine hervorragende, scharfsinnige Analyse Wilhelms II. und mit ihm des gesamten wilhelminischen Kaiserreiches. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers,
Von Thorsten Wiedau (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen (HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 50 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Wilhelm II.: Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers (Gebundene Ausgabe)
Ein ganz außergewöhnliches Buch ist mit WILHELM II. auf den deutschen Buchmarkt gekommen, denn der letzte deutsche Kaiser war seit seiner Abdankung bis zu seinem Tod und darüber hinaus das Ziel von Verrissen und Anfeindungen. Der Autor Christopher Clark räumt mit den gängigen Vorurteilen auf und versteht es meisterhaft ein sachliches und fundiertes Bild dieser Persönlichkeit zu zeichnen.Wieder einmal ein Buch das ich mir persönlich für so manchen Geschichtsunterricht gewünscht hätte, zeigt es eine der umstrittensten Personen der deutschen Geschichte so wir er wirklich war - gefangen im Spannungsfeld zwischen Herrschen und Dienen müssen und dem Aufbruch in eine wackelige doch erstarkende Demokratie und Mitbestimmung im politischen Bereich. Man könnte sogar sagen, er war zur falschen Zeit am falschen Ort und nicht immer so schuldig wie man es in der NS Zeit und auf linker Seite gerne gehabt hätte - dies ist in der Tat eine interessante Information, dass der Kaiser sowohl von Rechtsextrem wie auch von Linksextrem gleichermaßen angegriffen wurde und das Geschichtsbild über Jahrzehnte verzehrt dargestellt wurde. Dieses Buch ist natürlich keine Rehabilitationsschrift für Wilhelm II. es ist vielmehr eine Korrektur in so manchen Details, um ein korrektes und klares Geschichtsbild zu generieren. Dem Autor ist mit seiner Darstellung der Kindheit und Jugend des letzten deutschen Kaisers ein interessantes Bild gelungen. Auch im Spannungsfeld zwischen Hof und Politik sowie im Bereich des Militärs machte er nicht immer die Figur eines absoluten Herrschers - das System gab ihm Macht aber beschnitt ihn auch zusehends. Insgesamt gesehen zeichnet das Buch WILHELM II von Christopher Clark ein gutes und faszinierendes Bild einer Persönlichkeit die einiges falsch gemacht hat und doch auch viel manipuliert und gesteuert wurde. Insbesondere die Geschichtsfälschenden Maßnahmen von außen sind es wert gelesen zu werden, denn eine leichte Geschichtskorrektur steht uns gut an. Dieses Buch dient der Wahrheitsfindung und die ist immer noch nicht abgeschlossen! Sehr empfehlenswert! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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