Als das Furtwängler-Jahr 2011 anbrach, schossen neue Editionen unterschiedlichen Umfangs mit Werken des großen Dirigenten aus dem Boden. Meine Freude darüber war groß, hoffte ich doch zum einen auf bekannte Werke in neuer Klangpracht und zum anderen auf mir noch unbekannte Stücke. Schließlich entdeckte ich diese Box und begann, das Internet nach Informationen danach zu durchforsten.
Auf Entdeckungsreise
Schnell wurde mir klar, dass ich zahlreiche Furtwängler-Einspielungen bereits hatte, denn die Box kann längst nicht alle abdecken, da allein von Beethovens Eroica mindestens zwölf Aufnahmen existieren. Die Redakteure sagen zu Recht: Die Auswahl für diese Sammlung war in manchen Fällen nicht ganz einfach. [...] Bei Mehrfacheinspielungen desselben Werkes wurden die interessantesten oder besten Aufnahmen für diese Sammlung verwendet."
Am Ende der Werkschau stellte ich fest, dass meiner doch recht umfangreichen Furtwängler-Sammlung einige Einspielungen fehlten. Es waren nicht so sehr die großen für den Dirigenten wichtigen Namen wie Beethoven, Brahms oder Wagner, sondern eher Namen wie Gluck, Verdi oder Tschaikowsky. Allein die mir noch fehlenden Aufnahmen summierten sich, wenn es alternative Erscheinungen gab, zu einem stattlichen Kaufbetrag, so daß ich mich schließlich für diese Edition entschied. Und es war kein Fehler!
Zunächst ein Überblick über die CDs
Box 1: Barock und Vorklassik, CD 1-7
Box 2: Beethoven, CD 8-20
Box 3: Brahms, CD 21-27
Box 4: Bruckner, CD 28-33
Box 5: Wiener Klassik, CD 34-49 (Haydn, Mozart, F. Schubert)
Box 6: Romantik, CD 50-56 (Mendelssohn Bartholdy, Schumann,Weber, Nicolai)
Box 7: Spätromantik, CD 57-62 (R. Strauss, Mahler, Hindemith, Strawinsky, Pfitzner)
Box 8: Tschaikowsky, Dvorák, Sibelius, Liszt, Smetana, CD 63-66
Box 9: Wagner, CD 67- 72 und CD 86-94
Box 10: Wagner: Der Ring des Nibelungen, CD 73-85
Box 11: Sonstige, CD 95-107 (Honegger, Fortner, Blacher, Berlioz, Franck, Bartók, Rossini, Cherubini, Pepping, H. Schubert, J. Strauss II., Furtwängler, Verdi, Wolf)
Dann hieß es für mich zu entscheiden: Entweder meine digitalen Musikbestände einfach ergänzen oder sie zusätzlich noch vergleichen und bei Bedarf ersetzen. Ich habe mich für letzteres entschieden. Hierbei stellte sich schnell heraus, dass das die richtige Wahl war.
Zum Inhalt
Die Edition glänzt fast durchgängig mit einer besseren Klangqualität, als meine alten CDs sie boten. Hierbei darf jedoch nicht vergessen werden, dass alle Aufnahmen zwischen 1926 und 1954 mit unterschiedlichen Techniken und unter wechselnden örtlichen Umständen entstanden sind. Dennoch bestechen viele Werke durch ein deutlicheres, klareres Klangbild, weil offensichtlich auch weniger mit Rauschunterdrückung gearbeitet wurde. Eine Technik, die das Gehörte oft stumpf macht und Details unterdrückt.
Allmählich wurde mir dann auch bewusst, dass diese Box weitaus mehr Schätze birgt, als ich zunächst überblicken konnte. Leider haben die Herausgeber sich immer nur für die, wenngleich subjektiv wahrgenommen, beste Einspielung entschieden. Aber beispielsweise alle Beethoven- und Brahms-Sinfonien, die Furtwängler jemals aufgezeichnet hat, wären hier kaum unterzubringen gewesen, das hätte den Rahmen vermutlich schlichtweg gesprengt.
Dennoch kann man nicht sagen, dass man sich bei der Edition für inhaltliche Breite vor Tiefe entschieden hat. Neben dem Paradebeispiel" einer Werkaufnahme befinden sich in jeder der Teilboxen eine oder mehrere CDs mit weiteren, seltenen Musikstücken. So erklingen neben den Auszügen ganzer Sinfonien und Opern auch rare Einzelstücke wie die Ouvertüren zur Fledermaus (1937) und der diebischen Elster (1930).
Ein kleiner Mangel
Die großen Werke sind leider nicht, wie bereits erwähnt, mit allen Aufnahmen enthalten, sondern nur in Auszügen mehrfach vorhanden. So wäre eine Gegenüberstellung der Beethoven-Sinfonien aus den Kriegsjahren mit den Nachkriegsaufnahmen genauso reizvoll gewesen wie die Studio-Aufzeichnung der Walküre von 1954 oder der legendäre Scala-Ring. Diese Wagner-Werke sind jedoch mit dem RAI-Ring von 1953 zumindest abgedeckt. Dank der vorhandenen Auszüge kann man sich jedoch ein Bild der Einspielungen machen und sie nach Wunsch ergänzen.
Fazit
Alles in allem liegt hier eine grandiose Edition der Aufnahmen Wilhelm Furtwänglers vor. Besonders faszinierend ist der Mut der Herausgeber, auch Aufnahmen zu wählen, die nicht zugleich die geläufigsten und im Handel am meisten angebotenen Einspielungen sind. Abgerundet wird die Box durch eine CD Wilhelm Furtwängler spricht über Musik/Ausschnitte aus Proben, Ansprachen und Interviews" sowie eine Bonus-CD mit digitalem Booklet und umfangreichem Einhaltsverzeichnis.
Letztendlich ist diese Zusammenstellung eine Bereicherung für jeden Freund des Schaffens Wilhelm Furtwänglers.