Sich über die Qualität der Verse und Illustrationen Buschs auszulassen, ist überflüssig. Als ich den Kindle zur Hand nahm und anfing zu schmökern, war ich sofort in den Bann gezogen und mochte gar nicht mehr aufhören zu schauen und mich über den Wortwitz zu freuen. Und wenn ein Werk, das nun schon an die 140 Jahre auf dem Buckel hat, das schafft, beweist das seine Genialität.
Natürlich erscheinen die Zeichnungen nur schwarz-weiß, da der Kindle-Bildschirm keine Farben darstellen kann. Um die Zeichnungen in ihren etwas blaustichigen Farben sehen zu können, sollte man das Buch auf das App "Kindle für PC" laden, da der Computerbildschirm die vorhandenen Farben natürlich darstellen kann. Dann haben die Zeichnungen auch die richtige Größe.
Auf dem Kindle selber war ich doch des öfteren genötigt, den Cursor auf die zu kleine Zeichnung zu setzen und sie damit zu vergrößern. Das ist allerdings ein wenig umständlich, mehr ein Notbehelf.
Die Sammlung besteht aus allen bekannten Sammlungen wie "Max und Moritz", "Fromme Helene", "Plisch und Plum", "Knopp Trilogie" und Geschichten für die "Fliegenden Blätter".
Leider fehlt der "Heilige Antonius von Padua" (auch wenn das in der Rezension von "kubi gorja" anders steht! Diese Rezension wird sich aber wahrscheinlich auf die Druckausgabe beziehen, da sie von 2003 ist.), in dem die antiklerikale Haltung Buschs so deutlich zum Ausdruck kommt, dass diese Geschichte in Österreich bis 1902 verboten war! Ebenso schade ist, dass der "Virtuos" nicht vorhanden ist, der so wegweisend gezeichnet war, dass Busch deshalb auch als Großvater des Comic bezeichnet wird. Eine verpasste Chance!
Gerne verpasst hätte ich die antijüdischen Ausfälle im "Naturgeschichtlichen Alphabet" (Die Zwiebel ist der Juden Speise...) und das Auftreten des Juden Schmulchen Schievelbeiner (Augen schwarz und Seele grau) im 5. Kapitel von "Plisch und Plum", der in bester "Stürmer"-Manier gezeichnet ist.
Mit den Ausführungen über sein Leben und seine Lebensphilosophie, die er unter dem Titel "Was mich betrifft" veröffentlicht hat, nachdem eine unautorisierte Biographie über ihn veröffentlicht worden war, die er korrigieren wollte, schließt das Buch. Und ich muss sagen, dass ich darüber sehr froh bin, lernt man Busch dadurch noch von einer weiteren Seite kennen. Zu diesem Zweck möchte ich daraus zitieren: "Aber auch hier gibt's arme Leutchen.- Es ist noch die gute alte Zeit, wo man den kranken Handwerksburschen über die Dorfgrenze schiebt und sanft in den Chausseegraben legt, damit er ungeniert sterben kann; obschon der unbemittelte Tote immerhin noch einen positiven Wert hat; unter anderem für den Fuhrmann, der ihn zur Anatomie bringt."
Wer nach diesen Zeilen Busch immer noch für einen witzigen Kinderbuchautor hält, hat nichts begriffen. Er hat seine Zeit und die selbstzufriedene Gesellschaft mit spitzer Feder und tödlicher Ironie karikiert. Und dafür sei ihm Dank!
Fazit: Dem Werk Buschs gebe ich alle Sterne der Welt. Da diese E-Book-Ausgabe aber nur wirklich gut auf dem Computer zur Geltung kommt, ziehe ich einen ab.