Irgendwann einmal, Ende des vorigen Jahrhunderts, versuchte ich einen Überblick über heimisches Wildobst zu geben (Garten 10/1999: S. 8-13) - unvollständig, wie ich heute weiß. Nun hat Helmut Pirc, ein sehr kompetenter Gehölzfachmann, ein Buch über Wildobst geschrieben, das für an alternativen Obstsorten Interessierte eine sehr wertvolle Grundlage darstellt. Zwar stellt er wesentlich mehr Arten vor als ich das tat, dennoch bleibt er bezüglich der heimischen Gehölze unvollständiger als ich, verlässt aber heimische Gefilde.
„Wildobst" ist schick, „Wildobst" ist modern - nur: was ist Wildobst?
Wie ich bereits 1999 anmerkte, geht der Status „wild" mit der Auslese von Fruchtsorten, spätestens aber mit der züchterischen Bearbeitung verloren. Ich würde bei Sorten obstbaulich neuer Obstarten lieber von „Neuem Obst" sprechen, unter dem Überbegriff „Alternatives Obst", der „Altes" wie „Neues" Obst zusammenfasst. Obstfachmann und Buchautor Ing. Rudolf Novak schlägt dagegen „seltenes Obst" vor.
Pirc beschäftigt sich sehr viel mit Neuem/Seltenem Obst, und eigentlich kaum mit Wildobst im engeren Sinn, also auch bei uns wild wachsendem, züchterisch unbearbeitetem Obst. Zum Teil werden sogar künstliche Gattungshybriden wie x Sorbaronia (Sorbus x Aronia) oder Hagebuttenbirne (x Sorbopyrus, Sorbus x Pyrus) vorgestellt. Der Russe Mitschurin hat viele dieser Apfelverwandten gezielt züchterisch bearbeitet, womit von Wildobst keine Rede sein kann.
Trotz dieser Kritik muß das Buch als Standardwerk bezeichnet werden, da es nichts Vergleichbares zum Thema Alternativobst gibt. Ob Ginkgo, Felsenbirne, Weißdorn, Berberitze oder Akebia, oder alte Bekannte wie Kiwi, Wald-Erdbeere (die Staude wird als Zwergstrauch vorgestellt!), Sanddorn oder Feige - das Spektrum der beschriebenen Arten ist sehr breit und für jeden Obstbauinteressierten von Interesse!