es ist schwierig, immer wieder einen neuen anfang zu finden, auch für die kernzelle des kammerflimmer kollektiefs aus karlsruhe. thomas weber, elektrische gitarren, perkussion, piano und treatments; heike aumüller, gesang, harmonium, flöte & synthesizer; johannes frisch, bass und treatments. sie setzen sich hin und spielen.
das kammerflimmer kollektief bewegt sich zwischen schleichender melodienlust, sanften geräuschfeldern, schwankenden harmoniegerüsten - und schafft stücke, die einerseits so luftig sind, dass sie jederzeit einer fata morgana gleich zu nichts zerfallen könnten; dann wieder besitzen all dies tracks einen kraftvollen kern, ein undefinierbares herzstück das pulsiert (mit einer ganzen palette seltsam tänzelnder grooves)- man könnte von ohrwürmern reden, wäre dieser ausdruck nicht vorbehalten für alte goldene musiktruhen mit evergreens.
unverdrossen lassen sich die drei wildlinge ein auf dieses spiel durchweg brüchiger kräfte, bis sie land sehen (dafür muss sich der blick schon dehnen und strecken, der erdkrümmung folgen) und ein amorphes teil gestalt annimmt incl. jener portion magie , bei der improvisierte klangestalten und geträumte sounds eins werden. so eigen ist die musik, so lustvoll in ihren sog ziehend, daß einem erst im nachhinein auffällt, wie hier, mit unverschämter beiläufigkeit, die lyrischen qualitäten eines freien jazz mit puren pophimmelbewohnenden songjuwelen und klangforschungen der intimen art kurzgeschlossen werden.
musik also für entdecker - und nur bei solchen expeditionen (mit lauter ungewissheiten im gepäck) stellt sich folgende seltsame variante von nostalgie ein: erinnerungen blitzen auf, streiflichter, etwa joni mitchells haus im laurel canyon anno 1969 (ihr rhabarberkuchen ist eine spezialität, und sie spielt gerade rainy night house am piano), oder lee perrys lang verbrannte Hütte auf jaimaika (bird in hand ist die hauchzarte coverversion des albums), oder robert wyatts arbeitszimmer im norden englands, mit dem kleinen piano im der ecke. WILDLING ist - wie zuvor schon ABSENCEN und JINX - ein meisterstück.
(diese zeilen wurden ohne einfluss von drogen geschrieben. glauben sie mir, es ist diese musik, die einen an manch verrückte und lang aus der zeit gefallene orte transportiert.)