Nach sieben Jahren und vielen, meist schnell und billig heruntergekurbelten Nachahmern, war es 1985 endlich soweit: Die 'echte' Fortsetzung des Welterfolgs 'DIE WILDGÄNSE KOMMEN' lief in den Kinos an, verschwand aber schon nach kurzer Zeit wieder von der Leinwand. Irgendwas war da gründlich schief gelaufen, aber was?
Vielleicht lag's am Titel, denn 'WILDGÄNSE 2' kommt streckenweise mehr als Polit-Thriller aus dem Kalten Krieg daher und weniger als Söldnerabenteuer. Dabei ist der Film mit Scott Glenn, Ex-Bond-Girl Barbara Carrera, 'Schakal' Edward Fox und dem großartigen Sir Laurence Olivier durchaus prominent besetzt, und mit Peter Hunt übernahm ein routinierter Regisseur die Inszenierung. Trotzdem blieb das Ergebnis hinter den Erwartungen zurück. Die Story ist nicht mal übel: Ein amerikanischer TV-Sender beauftragt eine Gruppe von Söldnern, Rudolf Hess für ein historisches Exklusiv-Interview aus dem Gefängnis in Spandau zu befreien. Heutzutage ist das natürlich kalter Kaffee, aber 1984 war die Idee ziemlich spektakulär.
Diesmal sind die 'Wildgänse' eine Handvoll Draufgänger unter dem Kommando der beiden Profi-Söldner John Haddad und Alex Faulkner. Der Dschungel von Afrika wird ersetzt durch den 'Großstadt-Dschungel' West-Berlins, und die Befreiung von Hess läuft ab wie der Überfall auf einen Geldtransporter. Im Vergleich zum Vorgänger wirkt vieles in 'WILDGÄNSE 2' ein paar Nummern zu klein, anders kann ich es nicht ausdrücken. Die Schauplätze sind graue, nasse Straßen, altmodisch möblierte Wohnungen, Hotelzimmer mit Blümchentapeten und Geweihen an den Wänden, triste Hinterhöfe und natürlich das Gefängnis in Spandau. Der Film spielt ja größtenteils in und um Berlin, und der Regisseur wollte wohl Lokalkolorit einfangen, was dem Streifen aber nicht immer gut bekommt (meine persönliche Meinung).
Dennoch ist der Film spannend inszeniert und hätte unter einem anderen Titel sicher gut funktioniert, aber eben nicht als 'WILDGÄNSE 2', zumal weder Richard Burton noch Roger Moore darin mitspielen, um wenigstens auf diese Weise eine Verbindung zum Vorgänger herstellen. Burton war sogar bereit gewesen, wieder in seine Rolle als Colonel Allan Faulkner zu schlüpfen, verstarb jedoch kurz vor Drehbeginn. Im Film wird das so hingebogen, dass er bei seinem letzten Einsatz in Afrika ums Leben gekommen sei, weshalb sein Bruder Alex einspringt und fortan als Scharfschütze für Haddads Sicherheit sorgt. Denn die Amerikaner sind nicht die einzigen, die ein Interesse an Hess haben. Ehe sich Haddad versieht, gerät er zwischen alle Fronten, und als seine Freundin von einer rivalisierenden Gruppe als Geisel genommen wird, spitzt sich die Situation dramatisch zu...
Die Bildqualität der DVD ist mittelmäßig, da hätte ich von einer '25th Anniversary Special Edition' mehr erwartet. Erfreulich hingegen, dass der Film in der Langfassung zu sehen ist. Dadurch wird manches verständlicher, und gerade zum Ende hin machen sich die zusätzlichen Szenen (auch wenn sie nicht synchronisiert wurden, sondern nur deutsche Untertitel enthalten) positiv bemerkbar, besonders dann, wenn Sir Laurence Olivier als Rudolf Hess seinen letzten, großen Auftritt hat.
Fazit: 'WILDGÄNSE 2' ist kein schlechter Film, aber auch kein wirklich erstklassiger. Schade...