Den meisten Attributen meiner VorrezensetInnen zu diesem Album kann ich zustimmen. Ja, es ist glatt produziert, hört sich sehr "Miami-Vice-mäßig" an, etc... Alles ist relativ. Wenn man sich anhört, was damals im Pop-Sektor sonst noch so produziert wurde, ist diese Platte reinste Sahne.
Was Saga selbst auf ihren poppigsten Alben demonstriert, ist das die Combo stets schöne Melodien schreiben kann. Hier und da kommen sogar unerwartete, harmonische Wendungen und Frickel-Soli des Herrn Ian Crichton, und im Hintergrund spielen die Herren mit verschiedenen Sounds und Gimmicks. Da blitzen kurz die musikalischen Wurzeln dieser Herrn auf und zeigen, dass es sich hier um sehr gute Musiker (und "Techniker") handelt.
Nicht jeder Song ist ein Höhepunkt - meiner Meinung nach, fällt das Niveau ab einschließlich "The Way of The World" deutlich ab. Die letzten Songs sind dann wirklich ziemlich platt und teils uninspiriert, bieten viel Wiederholung und simple Melodien, also eher "Zwei-Sterne-Anwärter".
Die erste Hälfte dieses Albums bietet fein gemachten Pop-Rock und sehr guten Gesang des Michael Sadler.
"Don't Put Out the Fire" ist der Standard-Opener, ein solider Song, der sicherlich niemanden von den Socken haut aber auch nicht stört.
"Only Time Will Tell" ist sehr guter Pop mit wunderschönen Melodien und 80er-Jahre-Gänsehaut-Feeling.
"Wildest Dreams" rockt dann wieder etwas mehr ab und der Refrain fordert Sadlers Stimme heraus. Macht Spaß!
"Chase the Wind" ist eine nette "80er-Feuerzeug-Schunkel-Ballade".
"We've Been Here Before" schließlich, ist der "Miami-Vice-Rocker" der Platte - aber deswegen automatisch schlecht? Nein, gefällt mir sehr gut!
Also, diejenigen, welche nicht automatisch alles aus den 80er Jahren verteufeln UND nicht mit Saga aufgewachsen sind, dürfen hier bedenkenlos zugreifen! Saga demonstriert hier, dass sie auch sehr guten Pop machen können, nicht mehr, nicht weniger.
Als durchgehend "eher belanglos" einzustufen, sind hier allerdings die Texte...