Barbara ist das, was man als "Lebefrau" bezeichnen könnte. Sie liebt gesellschaftliche Ereignisse besondern im Beisein adliger oder hochgestellter Persönlichkeiten, hat aber eigentlich die Regeln des wertschätzenden zwischenmenschlichen Umgangs nicht besonders verinnerlicht. Überhaupt die Voraussetzung diesen Status zu genießen schafft ihr ihr Ehemann Brooks, ein reicher Erbe, der es sich und ihr ermöglicht, sich um Arbeit und sonstige Lästigkeiten das Leben lang keine Gedanken mehr machen zu müssen. Kann man sagen, dass die beiden sich lieben? Der dargestellt Umgang legt dies nicht gerade nahe. Brooks fühlt sich scheinbar seiner Ehefrau unterlegen und kann häufig nur mit zynischen und gefühlskalten Reaktionen kontern.
Den beiden wird ein Kind geschenkt. Ein Sohn. Der Film beschreibt in größeren zeitlichen Sprüngen das Aufwachsen und Erwachsenwerden von Tony in dem Spannungsverhältnis zwischen seinen beiden sehr unterschiedlichen Elternteilen.
Und Tony selbst? Er ist auf der Suche nach sich selber und seiner sexuellen Identität. Scheinbar üben beide Geschlechter einer gewisse Anziehungskraft auf ihn aus. Der alltägliche Müßiggang tut ihm aber offensichtlich nicht besonders gut.
Er rebelliert gegen seine Eltern, kommt aber gerade von seiner Mutter so gar nicht los.
Als der Vater Tony die Freundin ausspannt und die Mutter verlässt, setzt er damit eine langsam anrollende Lawine in Gange, da weder Barbara noch Tony diesen Schritt wirklich überwinden können.....
Der Film hätte gut werden können. Er schafft es meiner Meinung leider nicht, da zu viel ihn in hineingepackt wurde und die einzelnen Personen nicht wirklich gut "ausgeleuchtet" wurden. Einzig Juliane Moore als Barbara schauspielert, was das Zeug hält. Aber das alleine reicht nicht. Gerade gegen Ende sind die Veränderungen der Personen (gerade auch das Abrutschen von Tony ins Psychopathische) nicht mehr gut herausgearbeitet. Auch die Stimme aus dem "Off" von Tony wirkt deplaziert. Vielleicht hätte man die Länge doch statt 90 Minuten eher auf 120 Minuten ausdehnen sollen, wobei ich mir aber nicht sicher bin, ob dann nicht eine gewisse Langeweile aufgekommen wäre.
Knapp unterdurchschnittlich.