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5.0 von 5 Sternen
Ein Schaf auf Abwegen, 1. November 2004
Rezension bezieht sich auf: Wilde Schafsjagd (Broschiert)
"Wilde Schafsjagd" zählt auch mehr als zwanzig Jahre nach seinem ersten Erscheinen zu den besten Büchern Murakamis. Der kafkaeske Fantasy-Krimi vereint in sich all jene Qualitäten, welche dem Autor zum internationalen Durchbruch verhalfen.
Liebevolle Details, an denen sich der mystische Funke entzündet (wie die erstaunlichen Ohren der Freundin des Erzählers), skurrile Gestalten wie der Schafmann und der in seinem Zimmer verbarrikadierte Schafprofessor, ungelöste Rätsel und ein schlafwandlerischer Wechsel von der vordergründigen Realität in die untergründige Welt der Geister und des Traums ...
Dies alles formiert sich zu einer Geschichte, die so dermaßen haarsträubend abwegig ist, dass man sich ihrem Charme nicht entziehen kann: das Märchen vom Schaf, das die Weltherrschaft anstrebt, ergreift ganz schnell auch Besitz vom Leser -- nicht umsonst hat das Buch längst Kultstatus erlangt und ist zum Klassiker des postmodernen Romans avanciert.
Ich würde so weit gehen, das Buch vielen neueren Romanen Murakamis vorzuziehen. Während so manches spätere Werk sich in subjektivistische Imaginarien versteigt, entwirft "Wilde Schafsjagd" mit spielerischer Leichtigkeit einen absurden Mythos, der die Eindeutigkeit und Glaubwürdigkeit des Wirklichen von vornherein souverän untergräbt. Und so bleibt das Buch bei allem Unterhaltungswert verstörend: ein Wolf im Schafspelz geradezu -- gerade deshalb auch der ideale Einstieg in die literarische Traumwelt Murakamis.
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5.0 von 5 Sternen
Wilde Sinnsuche, 16. Februar 2005
Rezension bezieht sich auf: Wilde Schafsjagd (Broschiert)
Als ein Detektivroman mit einem Schuss Science-Fiction wird das dreihunderseitige Werk des japanischen Autors Haruki Murakami auf dem Buchrücken beschrieben, doch beim Lesen wird einem schnell klar, dass diese Beschreibung nicht einmal ansatzweise das erfasst, was diesen Roman ausmacht.
Dass "Wilde Schafsjagd" einige Merkmale eines typischen Detektivromans hat, ist nicht zu bestreiten. So geht es zumindest oberflächlich um die Suche nach dem "Schaf", das sich jahrelang in dem Kopf eines Medienmoguls befand, der nun - vom Schaf verlassen - im Sterben liegt. Auch die namenlose Hauptfigur des Romans weist Ähnlichkeiten mit den Antihelden der Kriminalromane die im Amerika des beginnenden 20. Jahrhunderts angesiedelt sind. Gerade von seiner Frau verlassen verbringt er die meiste Zeit in Kneipen und scheint trotz seines geschäftlichen Erfolgs, den er mit seiner eigenen Werbeagentur hat, keinen Sinn in seinem Leben zu finden.
Beim intensiven Lesen wird dann auch schnell klar, dass es sich eher um einen philosophischen "Selbstfindungsroman" handelt, der mit vielen Mystery-Elementen angereichert ist und neben diesen wesentlichen Bestandteilen dann auch noch eine Detektivgeschichte enthält, die aber nur eine unbedeutende Rolle neben diesen anderen Elementen einnimmt.
Murakami schafft es durch den gebrauch unkonventioneller Metaphern und Umschreibungen, einen schnellen, frischen Sprachstil und die sehr phantasievolle, ungewöhnliche Geschichte, eine Atmosphäre aufzubauen, die einem ermöglicht tief in den Charakter der Hauptfigur zu blicken.
Ein weiteres wichtiges Element des Romans ist der Zufall. Zufälle spielen in dem Roman des "Detektivfigur" (die eigentlich Mitglied einer Werbeagentur ist) eine wichtige Rolle. Sie führen dazu, dass er erst in diese sehr merkwürdige Geschichte mit dem Schaf hineingezogen wird und bei der "Lösung" des Falls scheinen es eher die Zufälle zu sein, die die Ermittlungen vorranbringen. Der Hauptcharakter scheint nicht Herr über das Geschehen zu sein, sondern das Geschehen Herr über ihn. Alles scheint vom Zufall bestimmt und schon zu beginn des Romans liegt die Kontrolle nicht bei ihm zu liegen. Möglichkeiten sind in dieser determinierten Welt höchstens Illusion.
Auch hier schafft es Murakami wieder ein philosophisches Problemfeld geschickt in den Roman einzubauen, doch auch andere philosophische Problemfelder, wie zum Beispiel die Beschaffenheit der Zeit, werden in dem Roman behandelt.
Nicht alles stimmt in dem Buch, so ist zum Beispiel das Ende des Romans etwas schwach und auch unbefriedigend. Man merkt, dass hier auf eine Fortsetzung hingearbeitet wurde. Ansonsten ist "Wilde Schafsjagd" aber ein guter kleiner Roman mit einer interessanten, spannenden, zum Nachdenken anregende Story, die besonders Fans von Autoren wie Paul Auster wärmstens zu empfehlen ist.
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