... dann vielen Dank! Gut, ein bißchen ist das wie der moderne (und auch der nicht so moderne) französische Film: unübersichtlich quer durch den Gemüsegarten, ganz amüsant zu lesen, ohne jedoch einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
Die Erzählerin, Eve-Marie aus Kamerun, war Prostituierte im Pariser Stadtteil Belleville, bevor Pléthore, weiß, Franzose, verkrachter Schriftsteller, sie heiratet. Warum er sie dann irgendwann mit der Nachbarin (die von ihrem Freund regelmäßig geschlagen wird - er steht drauf, sie nicht) betrügt, ist nicht so ganz klar, aber auch unwichtig. Ebenso unklar, aber auch unwichtig, ist, warum Eve-Marie den afrikanischen Transsexuellen Ocean anschleppt, der prompt die Nachbarin schwängert, mit der sich Eve-Marie nach dem Hinauswurf des Gatten prompt verbündet hat. Und dann ist da noch die Leiche auf der Haustreppe, für die keiner verantwortlich sein will.
Irgendwo ist, das, die gebratene Katze eingeschlossen: ziemlich unappetitlich. Dort und unter diesen Umständen möchte man nicht wohnen, vielen Dank. Zwischen den Unappetitlichkeiten aber blitzt etwas hervor, was die Geschichte lesenswert macht: Eve-Maries Mutter, die aus Kamerun anreist, um zu sehen, zu was es ihre Tochter gebacht hat, die auf der Treppe vor der Leiche versammelte Nachbarschaft, die nicht zur Polizei gehen will/kann, weil der einzige mit französischem Paß Pléthore ist, und der weigert sich, die Sinnlosigkeit aber auch für die andere Seite, unter diesen Umständen - vor der Mauer des Schweigens - das Verschwinden einer jungen Frau klären zu müssen.
Das Buch ist kein politisches Buch, und trotzdem hört man beim Lesen so leise im Hintergrund Sarkozys Sprüche zur französischen Innenpolitik. Und dann ist das Buch auf einmal gar nicht so seicht wie es zuerst den Anschein erweckt/erwecken will?