Nedjma hat bereits einen anderen Roman unter diesem Pseudonym veröffentlicht, "Die Mandel". Auch hier ging es zu großen Teilen um das erotische Erwachen einer unterdrückten Frau.
Auch "Wilde Feigen" behandelt genau dieses Thema. Eine Witwe mittleren Alters nimmt ein blutjunges, verängstigtes und unglückliches Mädchen unter ihre Fittiche, um ihr zu zeigen, dass die Eltern und Nachbarn gelogen haben. Es kann sehr wohl Erotik für Frauen geben, sie können an ihrem eigenen Körper Lust empfinden und müssen nicht nur als Objekte und Eigentum für Männer herhalten. Auf der Reise, die die beiden Frauen unternehmen, machen sie so einige seltsame bis lustvolle Begegnungen.
Auch wenn das Buch mit vulgärer Ausdrucksweise einsteigt, wird die Sprache doch fast poetisch und anfängliche Befürchtungen werden widerlegt. Dennoch ist "Wilde Feigen" natürlich kein Stück großartiger Literatur, sondern einfach eine halbwegs interessante Geschichte eines erotischen Erwachens - hinterlegt damit, dass hier über muslimische Frauen geschrieben wird, von einer Frau, die wohl schlimmste Strafen befürchten müsste, sollte ihr Pseudonym aufgedeckt werden.
"Wilde Feigen" ist nicht durchweg erotisch. Zu viele Szenen sind befremdlich, ungewöhnlich bis hin zu abstoßend. Aber auch dies ist das Leben und muss gezeigt werden, dieser Auffassung scheint zumindest die Autorin zu sein. Die Reise von Zobida und Leyla ist interessant mitzuverfolgen, Leylas Erwachen als Frau nachvollziehbar und einfühlsam geschildert. Dabei geht es nicht nur um den reinen Sex, auch die Liebe und die Erlaubnis, Liebe zu fordern, wird thematisiert.