...denn so locker und ausgelassen hat sich die "Grande Dame" des American Songwritings auf keinem Album je wieder gegeben. Insgesamt 11 Stücke werden geboten, das Bekannteste davon ist wohl der Opener "Chinese Cafe / Unchained Melody", das ab und an im Radio zu hören ist. Überhaupt sind die Stücke allesamt radio- und singletauglich, was bei der sonst ernsteren und tiefgründigeren Mitchell ja für gewöhnlich wirklich nicht der Fall ist. Das ist sowohl der Reiz als auch die Schwäche des Albums: die Songs sind eingängig und flott, mit hörbarer Spielfreude und hörbarem Können aufgenommen; leider sind viele von ihnen relativ rasch einfach etwas langweilig, wenn man Mitchells komplexere, vielschichtigere Werke gewöhnt ist.
Was die Musik an Tendenz anklingen läßt, findet sich auch bei den Texten: sie sind vergleichsweise untypisch, poetisch zwar, aber ungewöhnlich zugänglich für Mitchell - und damit u.U. für manchen rasch reizlos. Dennoch verbirgt sich hinter den Stücken manchmal eine Ebene, die erst beim dritten, vierten Hören zutagetritt: das Titelstück "Wild Things Run Fast" (2:12) ist einfach eine absolute Perle, und so souveräne, dichte und doch wie mit einem Pinselstrich gemalte Zwei-Minuten-Songs muß man Mitchell erst einmal nachmachen.
"Wild Things Run Fast" ist ein leider sehr kurzes Album (ca. 35min), das wirlich Hörvergnügen vermittelt. Der Sound ist brilliant, die Arrangements stellenweise ein wenig zu vorausschaubar, aber rund und flott. Es ist das Album, das man auflegt, wenn einem "Hejira" zu getragen und "Don Juan's Reckless Daughter" zu schwierig ist, man aber dennoch Lust auf Mitchell hat.