Wild Thing ist der Nachfolger von
Beat the Reaper: A Novel, dem Debütroman von Josh Bazell. Auch in dieser Fortsetzung ist der brutal-sympathische Arzt aus dem Zeugenschutzprogramm, Peter Brwna aka Lionel (ehrlich) Azimuth, der Protagonist. Brwna arbeitet mittlerweile als Arzt auf einem Kreuzfahrtschiff. Die Details seiner Arbeit dort sind wie auch in Bazells erstem Buch verstörend. Du willst die Wurst essen. Aber wenn der Wandertag in die Wurstfabrik ansteht, schwänzt du lieber. Das Gleiche gilt auch für die Arbeit auf einem Kreuzfahrtschiff. Fragt den Captain der Costa Concordia.
Um nicht zu viel vom Inhalt zu verraten, möchte ich nur in Stichpunkten andeuten, um was es geht: zerfetzte Körper, alte Rechnungen, verschwundene Kinder, eine Expedition, ein Seemonster, Minnesota, Flachbacks, LSD und jede Menge anderer Drogen.
Bazell nutzt zum Teil Fußnoten. Das ist in einem Roman natürlich zunächst ungewohnt. In den Fußnoten verstecken sich aber oft interessante Details und brüllend komische Anekdoten. Man gewöhnt sich schnell dran. Der erste Teil funktionierte ja genauso. Apropos erster Teil; Man muss ihn nicht gelesen haben, um der Story folgen zu können. Ganz sicher bin ich aber nicht, weil sowas ja schwer rückgängig zu machen ist.
Die Geschichte ist wie das Plädoyer eines Anwalts vor Gericht aufgezogen. Bazell präsentiert Beweisstücke und Zeugenaussagen. Damit schafft er es, die Story aus der Sicht verschiedener Beteiligter zu erzählen und immer wieder Vorgeschichten und Hintergründe einzuflechten. Was ihm auch gelingt: Debatten zwischen Wissenschaftlern und Kreationisten in der Form von Streitgesprächen einfließen zu lassen.
Immer wieder spürt man, wie der Arzt Bazell sein medizinisches Wissen einfließen lässt. Obwohl Teile der Story um Fantastisches und schwer Vorstellbares kreisen, lebt Bazells Buch von seiner Bodenhaftung. Beispiel? Die Paläontologin wird auf Jurassic Park angesprochen. Immer. Von jedem.
Einige Stellen hätten ein wenig mehr Action und etwas weniger Zynismus vertragen (halber Stern Abzug). Letztendlich verliert man sich aber schnell in der spannenden Story (mögt ihr Scooby Doo?) und in der Art, wie Bazell sie erzählt. Wenn ich nicht lachte, hat's mich gegruselt.