Wer einen Film mit Handlung erwartet, ist mit 'Wild Side' nicht gut beraten.
In ruhigen Bildern folgt die Kamera einem ungewöhnlichen Dreiergespann: Die transsexuelle Prostituierte Stephanie, der Stricherjunge Djamel und der Tellerwäscher Michail leben eine erfreulich harmonische Liebe zu dritt.
Als Stephanies Mutter schwer krank wird, fahren die drei in Stephanies Heimatdorf im Norden Frankreichs, um sie bis zu ihrem Tod zu pflegen.
Immer wieder wechselt das Bild von der menschenleeren Wald-und-Wiesengegend in die Metropole Paris, wo wir den drei Hauptpersonen abwechselnd bei ihrer jeweiligen Arbeit zusehen. Dieser Kontrast zwischen beschaulich-ruhiger Naturlandschaft und pulsierendem Großstadtleben ist vermutlich das eigenwilligste Moment des Filmes.
Lange Nahaufnahmen ohne Text (großartig unterstützt von der melancholischen Musik Jocelyn Pooks) vermitteln eine grüblerische, nicht wirklich glückliche Atmosphäre.
Während sich die Regie im Fall der Stephanie damit zufrieden gibt, sie in ihrer frappierenden femininen Schönheit (man hat Mühe, den ehemaligen Mann in diesem Gesicht zu finden!) darzustellen, erlaubt sie Djamel eine etwas zwielichtigere Rolle. In Andeutungen versucht er, sowohl Stephanie als auch Michail für sich allein zu gewinnen und das starke Trio zu unterminieren, allerdings ist es dem Zuschauer überlassen, die dahinter liegenden oder daraus resultierenden Dramen zu Ende zu denken, denn der Film verlässt diesen Handlungsstrang kurz nachdem er ihn angerissen hat.
Am verblüffendsten finde ich die Person des Michail, der in seiner russischen Männlichkeit so bodenständig wirkt, dass man sich fragt, was er in diesem multisexuellen Reigen verloren hat.
Alle drei beobachten wir beim Lachen, beim Weinen (die Gründe sind nicht immer klar) und vor allem bei sehr vielen verschiedenen sexuellen Handlungen - der Gedanke, ob die Hauptaussage des Films nicht doch eine pornographische ist, hinterlässt einen etwas schalen Nachgeschmack, und das ist schade, denn die berührendsten Szenen sind die, wo uns die Seelen hinter den nackten Körpern nahe gebracht werden.