Steve Hackett ist für mich ein Beispiel für einen Künstler der immer wieder an sich arbeitet ohne seinen ureigenen Stil zu verraten. Und er ist sich nicht zu gut, auch an seiner Technik zu feilen und zu lernen. In seiner bewegten Geschichte von GENESIS, über GTR bis zu seinen klassischen Kompositionen Mitte der 90er und den letzten rockigeren Alben, hat sich Steve immer durch eine sehr sanfte Art zu komponieren und zu spielen charakterisiert. Er klingt manchmal nach einer Enja des Prog-Gitarren-Rocks.
Die wilde Orchidee ist selten und wertvoll. Ihr Duft ist reich und schwerer als der ihrer gezüchteten Artgenossen. So ist das ein schöner Titel für ein Werk, das jedoch letzlich nichts mit der Wildnis zu tun hat.
Dieses Album beginnt mit einem ganz besonderen Song: "A dark night in toytown" ist so etwas wie ein Malmsteen-Song mit Originalität. Statt der obligatorischen Doublebass kommt ein spannend treibender Achtel-Rhythmus und statt dem Gekreische hört man einen ziemlich blasierter aber sanft dunklen Gesang. Und wer hätte gedacht, dass Hackett so gut auf der Gitarre ist. Gut, Klassikgitarre hat er immer hervorragend gespielt, aber die E-Gitarre hat mich nie so sehr überzeugt wie bei diesem Song.
"Waters of the wild" bringt Exotik in der Instrumentenwahl und in der Melodieführung. Wir sind wohl irgendwo auf dem indischen Subkontinent und reiten auf einem Elefanten.
"Set your compass" ist eine klassische Enja-Hackett Nummer. Klingt sehr elegisch. Aber Hackett will wohl zeigen, dass er nicht nur nett ist. Und so kommt mit "Down Street" eine böse und coole Nummer daher. Dieser Wechsel zwischen Sphären und Coolnes wird uns das ganze Album über begleiten. Es zeigt sich, dass es Hackett in dem ganzen Album um eine Reise durch die menschliche Psyche in allen Ausformungen geht.
Lange hält Hackett das cool sein ja nicht durch. "A girl called Linda" plätschert mit jazzigem Unterton dahin. "To A close" ist schon ganz kuschelweich.
Überraschend switched Hackett auf böse mit der stampfenden Mittempo Nummer "Ego and Id". Wieder zeigt sich der Blick in die psychischen Prozesse, und dass der Typ auf der Gitarre etwas zu sagen hat.
"The man with the long black coat": ein Bob Dylan Cover, das Hackett toll interpretiert. Das klingt so schön und macht mir als alten BD Fan eine große Freude! Hackett selbst meint apologetisch, dass seine Fans dieses Lied wohl nicht so mögen würden. Ich denke er irrt.
Bei" Wolfwork" kommt das Underworld Orchestra, das dieses Album begleitet, so richtig zur Geltung. Mittendrin wird es auf einmal ganz elektronisch kühl, um gleich wieder in die ursprüngliche Stimmung zurück zu gleiten. Da hört man auch wieder Hacketts Vorliebe für sphärische Gitarreneffekte.
"Why" dauert Gottseidank nur 50 Sekunden und ist im Stil des 20er Jahres Swing-Jazz als Intermezzo eingebaut. Weiter geht es mit einer typischen AH-Romantik-Nummer: "She moves in memories" kein Highlight.
"The fundamentals of brainwashing" ist wieder ein bisschen böse, aber nicht so böse wie die Abschlussnummer "Howl", ein Instrumental, das noch einmal Hacketts außerordentliches Gitarrentalent unter Beweis stellt.
Resümee: Am Anfang kommt das Beste, der Rest ist auch sehr gut. Das Elegische nervt ab und zu, aber so ist Hackett halt. Und das Coole und Böse steht im gar nicht so gut...