Duecks Grundthese ist: "Manager und Schulen messen zu viel. Das
verleitet die Menschen und Schueler zum Beschummeln, aber nicht zum
Besserwerden. Zukuenftig koennen Computer aber noch viel genauer
messen, dann werden Menschen beurteilt, das macht sie gluecklicher und
bringt auch wirtschaftliche Profite."
Davon kann man halten, was man will; ich halte sie nicht fuer den
Hauptbeitrag des Buches. Die amuesante Darstellungsweise mit den
vielen so realistischen und doch verrueckten Beispielen ist schon eher
ein Grund, das Buch zu lesen.
Was mich aber am meisten beeindruckt hat, ist Duecks aufgeklaerte
humanistische Grundhaltung, die in jeder einzelnen Geschichte
durchscheint. Ich selbst lese keine Buecher, um mich darueber zu
informieren, was "die Computer" bald mit unserer Gesellschaft
anstellen. Ich moechte wissen, wie ich mein eigenes Leben in die Hand
nehmen kann. Und dazu liefert Dueck mit seiner Ganzheitlichen
Betrachtungsweise viel Material zwischen den Zeilen. Wir wissen alle:
"Die Menschen sind verschieden." Aber was bedeutet das genau.
Vielleicht kann man das nur durch lange Erfahrung und Nachdenken
herausfinden. Zu beidem macht Dueck aber Beitraege: viele
einfuehlsame Beispiele und Reflektion anhand der Keirsey-Theorie.
Dueck hat ja die Theorie der Persoenlichkeiten in seinen spaeteren
Werken (insbes. Omnisophie) noch ziemlich erweitert. Ich meine aber,
dass die Verwendung von Keirsey als beispielhafte Typologie, wie er es
in "Wild Duck" tut, die wesentlich einsichtsvollere Loesung ist.
Keine der aktuellen Typologien (Keirsey, Enneagram, Omnisophie)
beschreibt den Menschen richtig gut. Wir muessen vielmehr ein Gefuehl
fuer die irren Unterschiede und die Moeglichkeiten bekommen. Und
Duecks sympathische Darstellung der Typen weckt richtig Lust auf's
Leben. (Und Mitleid mit den Managern. Vielleicht der erste Schritt,
sie zu erloesen?)
Dueck zeigt auch wie heutzutage das eigene Ego im Gegensatz zu guter
Arbeitsleistung steht (ganz im Gegenteil zu Adam Smith ;-). Das
Eigentliche ist: sich in der Zuschauerraum zu setzen. Die eigenen
Produkte aus der Sicht des Kunden zu betrachten.
Ein guter Mensch zu sein, kann man wohl nicht Rezept-artig lernen.
Wenn man sich aber seinem persoenlichen Lebenssinn naehern will, dann
ist dieses Buch eine Hilfe. Und dazu ist es noch total lustig zu
lesen! Nur manchmal ist Duecks berechtigte Gesellschaftskritik etwas
deprimierend. Aber vielleicht kann ja jeder einen kleinen Beitrag zur
Verbesserung leisten? (Michael Moore schlaegt das auch vor.) Dann
brauchen wir nicht auf die Revolution der Computer zu warten...