Mit WILD BOY schildert Ex-Gitarist Andy Taylor, weswegen er Duran Duran zweimal verlassen hat - einmal Mitte der 80er und einmal entgültig 2006. Um dies derzulegen zeichnet er seine gesamte Laufbahn in Duran Duran mit nach, und liefert somit einen echten Einblick hinter die Szenen dieser Band. Ausgespart werden von ihm, da er nicht dabei war, die Jahre 1987-2001, ansonsten reicht das Buch von der ersten Probe in Birmingham bis zu seinem letzten Austieg.
Andy Taylor hat mit diesem Buch einen interessanten Spagat geschafft: einerseits rechnet er durchaus schonungslos mit der Vergangenheit ab (wobei er auch sich selbst alles andere als glorifiziert), andererseits verzichtet er aber auf die in solchen Büchern leider übliche Schlammschlacht. Taylor packt durchaus intime und mitunter reichlich peinliche Details aus dem Duran Duran Alltag (vor allem in den 80ern) auf den Tisch, präsentiert sich in diesem Buch dennoch diplomatisch und spart auch nicht mit Kritik an sich selbst.
Interessant ist an WILD BOY, dass hier eine Band, die gerade in den 80ern für viele synonym mit MTV-Plastik-Pop stand von ihrer menschlichen Seite präsentiert wird - und dabei sehr bodenständig rüberkommt, eben fünf Jungs, die für ihren Durchbruch hart gearbeitet haben und ihren plötzlichen Erfolg kaum verarbeiten konnten. Das diese fünf Jungs keine Heiligen waren ist bekannt, Taylor schildert aber eher die pathetische Seite dieses Ruhmes als wirkliche Skandale... der Drogenkonsum mancher Bandmitglieder erreichte halt nach einigen Jahren bedenkliche Ausmaße, zusammen mit dem ganzen Stress des Erfolges und persönlichen Eitelkeiten gipfelte dies in diversen Katastrophen.
Taylor schreibt dabei durchweg interessant - WILD BOY liest sich auch für Nicht-Duran-Duran Experten sehr flüssig und spaßig, und man ist überrascht, was der Mann alles zu berichten hat.
Alles in allem eine der besten "Ausgestiegener Musiker berichtet über sein Leben bei einer Band" Biographien - man kann den Sinn derartiger Bücher treffend hinterfragen, aber für dieses Genre außergewöhnlich präsentiert sich Taylor fair und diplomatisch, er beweist eine gesunde Bodenhaftung und ein echtes Talent als Geschichtenerzähler.