Aus der Amazon.de-Redaktion
Das Verrückteste an dem siebten Studioalbum von Wilco ist Alfred, ein Kamel. Es ziert das Cover und wird im Booklet abgelichtet, wo Songwriter Jeff Tweedy und seine fünfköpfige Band ein wenig wie Clowns aussehen. Irgendwie will das gar nicht zur Musik des sehr souveränen und ausbalancierten
Wilco (The Album) passen, denn die Songs der Band aus Chicago kommen mit einer Ausnahme ohne Eskapaden aus. Ein wenig wird die Platten-Veröffentlichung überschattet vom Tode des 2001 bei Wilco ausgeschiedenen Ur-Mitglieds, dem brillanten Multiinstrumentalisten Jay Bennett, der am 24. Mai 2009 völlig überraschend verstarb. Noch kurz vorher hatte er Tweedy wegen angeblich ausstehender Tantiemen verklagt, vielleicht auch, weil er eine notwendige Hüftoperation nicht bezahlen konnte. Trotzdem kamen ehrliche Beileidsbekundungen der ehemaligen Wegbegleiter zum Ableben und kein böses Wort wurde publiziert. Kein Böses Wort kann man auch über
Wilco (The Album) verlieren, denn hier hat eine vom Country infizierte Alternative-Rock-Band seine musikalische Mitte gefunden. Das knappe Dutzend Stücke entstand im warmen Auckland / Neuseeland und wurde in Chicago fein geschliffenen Lieder, und einige ragen heraus. Der Eröffnungstitel „Wilco (The Song)“ wandelt auf den Spuren von Velvet Underground, der absolute Höhepunkt heißt „Bull Back Nova“, in dem sich Gitarren und Piano von der Leine reißen, um einem paranoiden, von Mordgedanken getriebenen Jeff Tweedy zu folgen. Diese grandiose Nummer bleibt unerreicht, auch Gastsängerin Leslie Feist kann „You And I“ nicht auf so ein Niveau hieven. Sehr hübsch ist „You Never Know“, ein sehr positives Lied über die Zukunft, in dem eine Portion „My Sweet Lord“ von George Harrison steckt. -
Sven Niechziol
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