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Wieviele Farben hat die Sehnsucht: Ein Märchenbuch
 
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Wieviele Farben hat die Sehnsucht: Ein Märchenbuch [Taschenbuch]

Heinz Körner , Roland Kübler
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (14 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Nach "Die Farben der Wirklichkeit" versammeln neue Märchen für Erwachsene zum Verschenken, Vorlesen und Liebhaben - für alle die noch Mut zum Träumen finden. Denn Sehnsucht ist eine Kraft, die unsere Träume in die Wirklichkeit trägt.

Über den Autor

Manfred Eichhorn, geboren 1951 in Ulm, ist gelernter Buchhändler und betreibt seit 1973 eine Buchhandlung in Ulm. Bekannt geworden ist Manfred Eichhorn aber auch als Mundarterzähler und -autor für Rundfunk, Theater und Verlage.

Auszug

Es war eine schmucke, saubere und ordentliche kleine Stadt. Das Leben der Bewohner verlief in geregelten Bahnen, die nur selten durch eine unliebsam Störung unterbrochen wurden. Und alle in der Stadt waren bemüht, diese so beruhigende Ordnung auf keinen Fall zu gefährden oder in Frage zu stellen.

In jedem Sommer ließen sich Zigeuner für ein paar Tage am Rande dieser kleinen Stadt nieder. Da sie sich in den normalen Gang der Dinge einfügten und keine Unordnung brachten, wurden sie zwar meist argwöhnisch beäugt, aber immerhin geduldet. Die Frauen kauften bei ihnen Stoffe und Korbwaren und besuchten heimlich, ohne daß es ihre Männer wußten, die alte Zigeunerin mit der Kristallkugel und den Tarotkarten. Die Männer bewunderten mancherlei Vorführungen und Kunststücke und besuchten heimlich, ohne daß es ihre Frauen wußten, ebenfalls die alte Wahrsagerin. Und die Kinder strichen neugierig und aufgeregt um die Wagen der Zigeuner herum. Hier roch es nach Abenteuer und Fernweh - und vor allem kam nach ein paar Tagen immer der alte Roman aus seinem Wagen, von den Kindern sehnsüchtig erwartet.

Roman war ein alter Zigeuner mit wildem Haar, noch wilderen Augen und einem imposanten Schnurrbart. Er redete im allgemeinen wenig, doch wenn er zu erzählen begann, dann war es, als entführte er seine Zuhörer zu atemberaubenden Abenteuern in ferne Länder - nicht selten waren sie in den Herzen der Zuhörer, mehr als ihnen vielleicht bewußt war. Unmerklich wurden die Kinder durch Romans spannende Geschichten reicher und erfahrener. Deshalb waren es wohl auch nicht nur seine Erzählungen, von denen sie sich so sehr angezogen fühlten, sondern auch eine seltsame, scheue und doch innige Liebe zu diesem alten Zigeuner.

Mit den Jahren merkten das auch die Eltern. Doch war es ihnen nie notwendig erschienen, dem allzu viel Bedeutung beizumessen. Mit der Zeit spürten sie aber, daß da noch mehr war und in ihren Kindern Gedanken reiften, die manches von der Ordnung in ihrer Stadt stören könnten. So besprachen sie eines Tages, ob sie ihren Kindern die Besuche bei Roman verbieten sollten. Allerdings wußten sie auch, daß Kinder Verbotenes eben heimlich tun

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