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Dieses ist die Natur des Menschen, die erste und die zweite Natur. Und als Quintessens sage ich, gilt die Sache Dazwischen als Synthese: Beschränke nicht dein Denken, weil du glaubst es nicht leben zu können. Zerstöre aber nicht dein Leben, weil du glaubst, um jeden Preis das Gedachte leben zu müssen.
Safranski philosophiert entlang von konkreten Beispielen und so macht er den Text leicht verständlich, nachvollziehbar und klar. Personen und deren Ziele als „zweite Natur" helfen ihm, dem interessierten Leser die Sachlage zu erklären. Hier geht es um die Hinführung eines an sich großen Themas. Rousseau, Kleist wie auch Nietzsche gelang es nicht in letzter Konsequenz, das Gedachte in das Lebbare zu transformieren. Deren Scheitern wurde deutlich an der immer kleiner werdenden Menge an Personen, die dem Gedanken folgte. Bei Rousseau war es der Gang in die Einsamkeit, Kleist inszenierte seinen Tod als letzte große Tat und Nietzsche setzte sich gleich mit der „Einsamkeit" und verlor letztendlich den Verstand. Die Freiheit, zwischen Denken und Handeln zu unterscheiden und Wallenstein folgend dieses Duo zu betrachten, wurde ihnen zum Verhängnis. Die Wahrheit des Ichs entsprach nicht der Wahrheit der Welt.
Diese Wahrheitsfindung betrachtet Safranski im Folgenden aus der Sicht der Metaphysik, beginnend mit Sokrates, den christlichen Abschnitt über Thomas v. Aquin zu Descartes über Kant zu der Form der totalitären Metaphysik des Dritten Reiches. Allen Zeiten zu Eigen war, die Wirklichkeit einem selbst geschaffenen Bild zu opfern, imaginär oder als prophetische Aussage. Analog der chinesischen Fabel, wo ein Maler in seinem Bild verschwindet und damit die innere wie die äußere Wahrheit seines Selbst vereinigt.
Kafka und seine Texte schließlich bilden den letzten Teil vor dem eigentlichen Finale dieses Buches. Das „Zögern zur Geburt" wird hier so deutlich, dass Angst, sich selbst zu leben, dadurch entsteht, so leben zu müssen, wie man denkt. Der selbst auferlegte Sachzwang wird zum Verhängnis, zur Verzweifelung und letztendlich wird ein Medium notwendig, um mit Menschen zu kommunizieren, das Schreiben. Wie Sloterdijk das zweite Zur-Welt-Kommen durch Sprache definiert, geling auch Safranski die Analyse kafkaesker Verhaltens- und Sinnformen so zu beschreiben, dass die Differenz zwischen Tat und Denken, eben das Dazwischen zum Kern der selbst bestimmten Freiheit wird.
Dieser Überleitung folgt nun als rauschendes Finale die „Variation" über Freiheit und diese in Bezug auf die Wahrheit, der Suche danach und den möglichen Taten gleich oder ungleich dem Denken mit den entsprechenden Überlegungen zu den Konsequenzen. Beispiele (Heidegger, Benn ) dienen auch hier der Klarstellung.
Safranski ist ein Buch gelungen, welches sich lohnt zu lesen. Es lohnt sich, weil es Perspektiven eigenen Denkens neu positioniert, weil er verständlich über Beispiele sich dem Leser nähert und weil seine Analyse der Sachverhalte nicht endgültig und final erscheint, sondern eher den Leser fordert, mitzudenken und mitzudiskutieren. Diese Form des Aufrufs zu denken ist schon eine Form des Handelns. Er wird nicht müde zu sagen, das Mehr-Denken und Mehr-Handeln sich gut macht, solange das Handeln geprägt ist, den Zweck des Handelns der Freiheit des anderen unterzuordnen.
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