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Wieviel Globalisierung verträgt der Mensch?
 
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Wieviel Globalisierung verträgt der Mensch? [Broschiert]

Rüdiger Safranski
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Produktinformation

  • Broschiert: 128 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 2 (20. Oktober 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596163846
  • ISBN-13: 978-3596163847
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 12,6 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (13 Kundenrezensionen)
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Rüdiger Safranski
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Um es gleich vorweg zu sagen: Um Globalisierung geht es Rüdiger Safranski in diesem ausgesprochen lesenswerten Essay nur am Rande. Sie ist für ihn lediglich der aktuelle Anlass, ganz grundsätzlich eine der großen Ausgangsfragen der Philosophie aufzuwerfen, nämlich die Frage: Was ist der Mensch? Dies eben vor dem Hintergrund dessen, was die Globalisierung dem Menschen als Menschen zumutet. Keine wohlfeilen Rezepte und Weltordnungsmodelle bietet uns Safranski, dafür aber lässt er uns teilhaben an seinem unangestrengten Nachdenken, das er -- und vor allem davon berichtet dieses Buch -- an den großen Philosophen geschult hat. Von denen hat der Philosoph und Schriftsteller manche ja bereits in früheren, teilweise glänzenden biografischen Arbeiten, ganz besonders über Martin Heidegger, aufs Beste für uns porträtiert. Von den Früchten dieser Arbeit profitiert auch dieses Buch.

Die beiden besten Kapitel sind den Themen der Verfeindung und des Weltfriedens gewidmet. Globalisierung -- freilich ohne den Begriff zu nennen und dem Inhalt nach mit dem Akzent auf weltbürgerliche Demokratisierung -- war ja auch für Kant der Wurzelgrund der Weltfriedenshoffnung. Eine Hoffnung, die bis heute ebenso unerfüllt wie theoretisch unüberholt geblieben ist. In der permanenten gegenseitigen Überbietung im politischen Realismus ist Kants Friedensutopie ein wenig aus der Mode gekommen. Zu Unrecht. Ihr redet Safranski mit seinem Buch ebenso ermutigend das Wort wie er zeigt, dass man sich nichts vergibt, wenn man sich ohne Scheu und falsche Bescheidenheit immer wieder an die großen Fragen wagt. Im Gegenteil. Von uns erntet Safranski dafür großes Lob! --Andreas Vierecke -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Neue Zürcher Zeitung

Unerreichbar sein im Vitriolwasser Rüdiger Safranski über das Leben im globalen Zeitalter Wer schreibt, räumt sich Platz ein; wer Platz hat, kann auf Distanz zum unmittelbar Andrängenden gehen, selbst und besonders dann, wenn er über Bedrängendes schreibt. Das schlechthin Bedrängende trägt in diesen Tagen und Wochen den Namen des Krieges. Vor diesen Tagen und Wochen hörte es gerne auf den Namen, bei dem es auch nach dem Krieg wieder gerufen werden wird: Globalisierung.

Rüdiger Safranski, Biograph E. T. A. Hoffmanns, Arthur Schopenhauers, Friedrich Nietzsches, Martin Heideggers sowie des Bösen, fragt in einem soeben erschienenen Essay: «Wie viel Globalisierung verträgt der Mensch?» Die Antwort, die sein Versuch gibt, sich schreibend Platz zu schaffen in einer entgrenzten, aber eben darum enger werdenden Welt, liesse sich knapp resümieren: zu wenig. Das ist selbstredend zu knapp zusammengefasst. Genauer lautet die Antwort, die sich dem Büchlein entnehmen lässt: Der Mensch verträgt nur so viel Globalisierung, wie seine Lokalisierung auszubalancieren vermag. – «Der» Mensch: Safranski fragt und antwortet «anthropologisch». Das verführt bisweilen zu falscher Schlichtheit. Etwa wenn er schreibt, es gelte «nämlich der Grundsatz: Je mehr emotional gesättigte Ortsbindung, desto grösser die Fähigkeit und Bereitschaft zur Weltoffenheit.» – Wäre es so einfach, gäbe es keine sogenannten Regionalkonflikte und manches andere Garstige auch nicht.

Aber so simpel meint Safranski es gar nicht; und so simpel sagt er es auch nur selten. Wie aber meint er es dann? Er meint es gut, das ist gewiss – und ganz unverächtlich. Anders als bei Peter Sloterdijk, mit dem Safranski nicht nur die gastgebende Hälfte des «Philosophischen Quartetts» im Zweiten Deutschen Fernsehen bildet, sondern auch sonst Gedanken austauscht, anders als bei Sloterdijk also darf der Leser sich bei Safranski stets sicher sein, dass er nicht auf doppelten Boden geführt wird, wo sich unversehens eine Falltür öffnen könnte. Selbst da, wo Safranski «Verfeindungsgeschichten» erzählt, um vor Augen zu führen, wieso es kein harmonisches Weltganzes je geben werde – weil Menschen stets auch anders als andere Menschen sein wollen –, selbst dort, wo er (Anleihen bei Carl Schmitt machend) über den Feind schreibt, er sei «dein Abgrund als Gestalt», selbst an einer solchen Stelle geht keine Falltür auf. Auch in der plausiblen Kritik des «Globalismus» als einer herrschenden Ideologie, einer Grosstheorie, die es nicht nur in affirmativer, sondern auch in kritischer Ausfertigung gebe, achtet der Autor auf Augenmass. – Um das rechte Mass ist er im Ganzen seines Gedankengangs bemüht. Näherhin um das Mass, das der Mensch auch in einer Welt finden können müsse, in der die «zweite», die selbst geschaffene, künstliche Natur ihn umgibt wie der Wald den, der sich in ihm verirrt.

An Henry David Thoreau erinnernd, schreibt Safranski: «Früher waren die Wälder das Symbol des Geheimnisvollen, Schicksalhaften und Ungeheuren einer Welt, die noch etwas ganz anderes war als man selbst. Aus diesen Wäldern ist das Dickicht von menschlichen Angelegenheiten und Symbolen geworden. Und deshalb nähern wir uns der Epoche der globalen Platzangst.» Es bedarf, so die Schlussfolgerung, neuer «Lichtungen» – zu schlagen in die zweite, die künstliche Natur. Eine Lichtung sei jener Raum, den der Einzelne brauche, «um Individuum zu sein». So anverwandelt Safranski sich nicht nur Heidegger auf vermeintlich gefahrlose Weise, er dreht sich auch aus der Perspektive dessen heraus, was man unter Globalisierung in historisch-politischem Sinne verstehen könnte. In den Blick rückt nun der Mensch, sofern er Individuum ist; und mit ihm die Kunst, im Falschen doch irgendwie richtig zu leben. Die Prinzipien solcher Lebenskunst, die angedeutet werden, sind freilich wesentlich negativ, um nicht zu sagen quietistisch: Abschied nehmen von der Illusion, es gebe eine «Kommandohöhe», von der aus sich Geschichte und Lebensgeschichte steuern liessen; der «globalistischen Hysterie» und kommunikativen Aufgeregtheit ein Schnippchen schlagen durch Verlangsamung, Abschalten: Wer sein Leben als «eigenes» gestalten wolle, müsse «den Punkt kennen, wo er aufhört, sich formatieren und in-formieren zu lassen». Als Daseinsform zeichnet sich das «Unerreichbar-Sein» ab.

Nichts gegen Gemächlichkeit und die Wiederverwurzelung der Existenz. Worin aber unterschiede sich solch eine Lebenslage von der «liberalen Gemütlichkeit», die der Essay zu Beginn en passant aufspiesst, weil sie in den zynischen Indifferentismus eines «Fremde Länder, fremde Sitten» umkippe? Vertrauenerweckender wird die Phantasie auch dadurch nicht, dass der Autor ihr am Ende eine recht eigentlich ungemütliche Wendung gibt. Um sich eine Vorstellung davon zu machen, was es heissen könnte, dass die «Weltzeit» die individuelle «Lebenszeit» nicht mehr verschlinge, dass vielmehr «der grössere Kreis im kleinen der eigenen Lebenszeit» Platz finde, liest Rüdiger Safranski bei Johann Peter Hebel nach, in dessen wundersamer Geschichte «Unverhofftes Wiedersehen». Ein junges Brautpaar in Schweden; der Bräutigam, ein Bergmann, fährt vor dem Hochzeitstag noch einmal in den Berg, kommt aber nicht wieder.

Fünfzig Jahre wartet die Braut. «Unterdessen», heisst es bei Hebel, «wurde die Stadt Lissabon in Portugal durch ein Erdbeben zerstört, und der Siebenjährige Krieg ging vorüber, und Kaiser Franz der Erste starb, und der Jesuitenorden wurde aufgehoben . . . Napoleon eroberte Preussen, und die Engländer bombardierten Kopenhagen, und die Ackerleute säten und schnitten . . .» Während all dies und noch mehr geschah, wartete also die Braut; und nach fünfzig Jahren findet man, im Vitriolwasser, den unverwesten Leichnam ihres Bräutigams. – Safranski spinnt den Faden fort: «Weltgeschichte, die in die Lebensgeschichte eingefügt ist, zwischen zwei Gedankenstrichen, locker verknüpft durch dieses unnachahmliche unterdessen. So wünschte ich mir, dass man auch die Globalisierung auf Abstand halten könnte, zwischen zwei Gedankenstrichen, nur locker mit dem eigenen Leben verknüpft durch ein ‹unterdessen›.» – Wodurch nun hält man sich die Globalisierung vom Leibe? Dadurch, dass man die Geschichte einer unvergänglichen Liebe erzählt? Oder dadurch, dass man durch den Tod hindurch dem Geliebten treu bleibt? Oder dadurch, dass man beizeiten in die Grube fährt und im Vitriolwasser überdauert?

Uwe Justus Wenzel -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .


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5.0 von 5 Sternen Sachkenntnis und Intellekt pur., 10. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Wieviel Globalisierung verträgt der Mensch? (Broschiert)
Dieses Buch ist eine Schatztruhe von Sach- und Fachkenntnis des Autors. Gleichgültig, ob Themen und Fragen der Geschichte, Soziologie, der Philosophie und sonstigen Geistesgeschichte, Safranski ist nicht nur ein brillanter Intellektueller, sondern ein ebensolcher Schreiber.

Dieses Buch über Globalisierung hat mir manche wichtige Gedanken und Einsichten vermittelt, die ich ansonsten aus vielen Büchern hätte zusammenlesen müssen. Ein Buch, das nicht nur über die Globalisierung Wichtiges zu sagen weiß, sondern zu vielen Gebieten der europäischen Geistesgeschichte sachkundig Auskunft gibt. Dieses Buch ist aus meiner Sicht ein absolutes Muß.
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19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Zur Verfeindungsenergie der Religionen ..., 17. Februar 2003
Von 
FrizzText "frizz" (Wuppertal) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)   
Safranski plädiert dafür, die Verzögerungskraft der Vernunft den "Verfeindungsenergien" der Religionen entgegenzustellen, die dadurch sich noch multiplizieren, dass sie sich unwidersprochen im Recht glauben: "Die Weltbilder der pervertierten Religion beanspruchen, das wahre Wesen von Natur und Geschichte zu kennen. Sie wollen das Ganze begreifen und greifen nach dem ganzen Menschen. Sie geben ihm die Geborgenheit einer Festung mit Sehschlitz und Schießscharte." In seinem neuesten Buch liefert der auch durch Fernseh-Talkshows bekannte Schriftsteller eine geistreiche philosophische Analyse der Gegenwarts-Bedingungen. "Der ominöse KAMPF DER KULTUREN ist tatsächlich entbrannt." Leider, muss man hinzufügen, nicht nur auf Seiten des fundamentalistischen Islamismus, sondern auch zusehends auf der Seite einer Renaissance der Religiösität innerhalb der USA. Kabinettssitzungen werden in Washington durch ein Gebet eröffnet (angeführt von Condoleezza Rice oder wechselweise von Rumsfeld etc.; die US-Soldaten werden für den Gang in den Irak mit Bibel und Rosenkranz ausgerüstet.) Es verwundert somit nicht, dass Safranski, ausgehend von KANTs Abhandlung ZUM EWIGEN FRIEDEN (1795) Amerika- und Globalisierungs-kritische Töne anschlägt. "Was tust du gegen das Ozonloch, gegen den weltweiten Terrorismus, gegen die Kinderarbeit in Ost-Timor, gegen die Unterdrückung der Oguschen?" Mit Passagen wie diesen läutet Safranski ein Plädoyer für den Rückzug ins Private ein. Nicht nur der Körper brauche ein Immunsystem, auch der Geist. "Mit jeder Liebesgeschichte und Wohnungseinrichtung, mit jedem Arbeitsvertrag und Buchprojekt zweigen wir uns aus einer Zukunft, die uns kaum eine Chance lässt, eine kleine private Zukunft ab." Safranskis Text ist ein bedenkenswerter Versuch, angesichts individueller Reichweiten-Begrenzung dennoch sinnvoll - und vor allem vernünftig - durchzuhalten. Es müsste mehr solcher in besonnenem Ton vorgetragener Statements geben ...
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14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Wieviel Globalisierung verträgt der Mensch?, 18. März 2003
Von 
Helga König - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 10 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Ausgelöst durch die neuen Kommunikationstechnologien schreitet die so genannte Globalisierung immer schneller voran. Für das Individuum ist dies keineswegs nur mit Vorteilen verbunden.
Vielmehr als vordem steht der Einzelne weltweit im ökonomischen Wettbewerb zu seinen Mitmenschen. Die globale Mobilität führt dazu, dass die " Ent-Fernung der Entfernung " zum zentralen Thema avanciert und zu erheblichen " Verfeindungen" untereinander Anlass gibt, sofern bloß Verstand und nicht Vernunft als Regulativ bei der fortschreitenden Globalisierung Wirksamkeit erlangt.
Safranski spricht davon, dass wir uns immer mehr dem Zustand der "globalen Platzangst" nähern, wenn es uns nicht gelingt gerade noch rechtzeitig lebenskluge, abgrenzende Maßnahmen auf den Weg zu bringen. Es geht darum sich nicht vereinnahmen zu lassen von der immer näher rückenden Welt mit ihren unüberschaubaren Informationsangeboten, mit ihren ökonomischen und ethischen Forderungen und Anforderungen, sowie den, durch die omnipotenten Medien ausgelösten Begehrlichkeiten, sondern stattdessen zu versuchen, gelassen selektierend Überblick zu behalten, um letztlich auf diese Weise " dem Gefängnis des Totalitären " kein ungewolltes Podium zu bieten.
Safranski hat ein sehr informatives, empfehlenswertes Buch geschrieben, dem die Verweise auf Kant, Rousseau und Thoreau keineswegs geschadet haben!
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