Aus der Amazon.de-Redaktion
Lange muß der Hörer dieser CD warten, bis er André Rieu, den Zaubergeiger, den Helmut Zacharias der Neunziger, endlich richtig zu hören bekommt. Vorher ertönt zunächst ein Medley namens "Strauß Party", das außer einiger Zeilen aus dem Radetzkymarsch nichts von Strauß enthält, sondern Zitate aus der Ouvertüre von Rossinis Wilhelm Tell, aus der Leichten Kavallerie von Franz von Suppé sowie andere kompatible Melodien. Nach der "Velata" eines Herrn A. Morris gehts auf zur "Petersburger Schlittenfahrt" mit viel Schellengeklingel, gefolgt von Lehárs "Wolgalied" ohne Sänger und den "Schlittschuhläufern" von Emil Waldteufel. Im folgenden "Ägyptischen Marsch" von Johann Strauß dürfen André Rieu und sein Orchester, so stehts im Booklet, auch noch gemeinsam Singen, allerdings nur einstimmig und auf lalala.... Dann endlich läßt sich der Meister persönlich hören. In "Hör ich die Zauberklänge" von Lehár geigt er leidenschaftlich und dramatisch mit vielen Schluchzern und effektvoll weggerissenen Tönen, so daß sich der biedere weibliche Fan in der heimatlichen Couchgarnitur gleich ganz verwegen vorkommen muß, aber auch nicht zu sehr, bitteschön. Geigentechnisch betrachtet macht das Spiel von André Rieu allerdings nicht viel her. Das Vibrato klingt ungleichmäßig, die Intonation ist nicht ganz sicher. Vielleicht liegen seine Begabungen mehr im wirtschaftlichen Bereich. Auch die "Méditation" von Massenet klingt nicht viel besser. Dazwischen muß der Hörer noch eine Interpretation der "Annenpolka" über sich ergehen lassen, die so langsam und schwunglos ist, daß man in Zeitlupe dazu tanzen müßte.
Warum also André Rieu? Die zahlreichen Stücke dieser CD, die zum klassischen Repertoire gehören, gibt es, nicht von André Rieu zurechtarrangiert, auch in Aufnahmen renommierter Orchester und Dirigenten, und das ohnehin nur spärlich vertretene solistische Geigenspiel ist auch nicht sehr überzeugend. ---Michael Wersin
Produktbeschreibungen
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